Wären dies normale Umstände, dann wären die rechtlichen Folgen an diesem Mittwoch wohl klar: Wenn ein Anwalt in seinem Schuldeingeständnis den Ermittlern offenbart, von seinem Klienten zu kriminellen Handlungen angehalten worden zu sein, und sich selbst in acht Punkten schuldig bekennt – dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Strafbehörden den Klienten selbst vornehmen. Schwieriger wird es allerdings, wenn es sich bei dem Klienten um den Präsidenten der Vereinigten Staaten handelt.

Am Dienstag bekannte sich Michael Cohen, ehemaliger "Fixer" und persönlicher Anwalt von Donald Trump, vor einem Gericht in Manhattan in mehreren Punkten schuldig, darunter auch in diesem: Im Wahlkampf 2016 habe er – auf Anweisung "eines Kandidaten für ein Bundesamt" – Schweigegelder an zwei Frauen gezahlt, die Affären mit ebenjenem Kandidaten gehabt hätten. Das Ganze, gab Cohen an, sei mit dem Ziel geschehen, "die Wahlen zu beeinflussen" und zu verhindern, dass die Frauen in der entscheidenden Wahlkampfphase an die Öffentlichkeit gehen.

Cohen – und sein Klient – haben damit unter anderem gleich mehrfach gegen das amerikanische Wahlkampffinanzierungsgesetz verstoßen, weil die Zahlungen nicht offiziell gemeldet wurden und die erlaubten Beträge für Einzelpersonen um ein Vielfaches überschritten. Unklar aber ist auch am Tag danach, ob diese Vorwürfe rechtliche Konsequenzen für den Präsidenten haben. Selbst Verfassungsexperten sind sich in dieser Frage uneinig.

Darf der Präsident strafrechtlich verfolgt werden?

Die amerikanische Verfassung untersagt es zwar nicht ausdrücklich, einen amtierenden Präsidenten wegen eines Verbrechens anzuklagen, eine Immunität nach deutschem Vorbild gibt es in den USA nicht. Doch seit Jahrzehnten gilt es im Justizministerium als gängige Praxis, dass ein Amtsinhaber nicht strafrechtlich verfolgt werden kann – so steht es auch in den internen Richtlinien. "Nach dieser Lesart könnte Trump erst dann angeklagt werden, wenn er aus dem Amt scheidet, entweder weil seine Amtszeit endet oder weil es zum Amtsenthebungsverfahren kommt", erklärt Joshua Dressler, Rechtsprofessor an der Ohio State University.

Die meisten Rechtsexperten im Land halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass es schon vorher zu einer Anklage gegen Trump und somit zu einem Präzedenzfall kommen könnte. Es gebe zwar keine formelle Regelung, die das verhindere, sagt auch Diane Marie Amann von der University of Georgia. "Aber die Hürden für diesen Schritt sind innerhalb der Behörde sehr hoch." Sollten sich die Ermittler entschließen, mit der gängigen Praxis zu brechen, müssten sie das vor dem zuständigen Behördenchef – in diesem Fall Justizminister Jeff Sessions oder dessen Stellvertreter Rod Rosenstein – begründen. "Es wäre der Beginn eines langen internen Tauziehens", sagt Amann.

Und auch dann ist der Weg weit. Die Anwälte Trumps dürften in diesem Fall ihrerseits Berufung einlegen und der Fall so schließlich vor dem Obersten Gerichtshof des Landes landen. Die neun Richterinnen und Richter müssten die Grundsatzfrage klären, ob ein amtierender Präsident strafrechtlich verfolgt werden kann. "Ich gehe davon aus, dass der Supreme Court in der jetzigen Zusammensetzung entscheiden würde, dass das nicht angemessen ist", sagt Dressler. Brett Kavanaugh, Trumps Kandidat für den vakanten Posten am Supreme Court und einst selbst Mitglied des Ermittlungsteams gegen Bill Clinton im Lewinsky-Skandal, schrieb bereits 1998, eine Amtsenthebung, keine strafrechtliche Verfolgung, sei der richtige Weg, auf Vergehen eines amtierenden Präsidenten zu reagieren.