Im Zuge der Regierungskrise in Australien haben zehn Ministerinnen und Minister ihren Rücktritt angeboten. Nach Informationen der Fernsehsender ABC und Sky News sind darunter auch die einflussreichen Minister für Gesundheit und Handel sowie die Entwicklungsministerin Concetta Fierravanti-Wells, deren Rücktritt Premierminister Malcolm Turnbull ebenso annahm wie den seines Konkurrenten, des populistischen Innen- und Migrationsminister Peter Dutton.

Gegen ihn hatte Turnbull tags zuvor ein parteiinternes Votum mit 48 zu 35 Stimmen gewonnen und blieb damit nicht nur Parteichef der Liberal Party, sondern auch Regierungschef. Im Anschluss nahm er Duttons Rücktritt und den von Fierravanti-Wells an, versicherte jetzt aber, dass ihm die Übrigen "eindeutig Loyalität und Unterstützung" zugesichert hätten.

Ein Jahr vor der Parlamentswahl wächst die Unzufriedenheit mit dem australischen Premier in den Reihen der Abgeordneten. Vielen der Liberalen ist er zu nachgiebig, viele folgten stattdessen dem Populisten Dutton. Schließlich sah sich Turnbull genötigt, sein Parteiamt zur Abstimmung zu stellen – und gab Pläne für ein Gesetz zur Emissionsreduzierung auf. Damit vermied er, dass die konservativsten Abgeordneten im Parlament gegen das Gesetz stimmen und seine Autorität offen untergraben.

In den Meinungsumfragen liegen die Liberalen seit Monaten hinter der oppositionellen Labor-Partei. Dutton kündigte an, dass er seinen Kampf gegen Turnbull trotz seiner Demission fortsetzen will und zwar als Spitzenkandidat der Liberalen bei der für Mitte 2019 vorgesehenen Parlamentswahl. Dutton fügte hinzu, er könne Labor-Chef Bill Shorten schlagen.

Australien erlebte in den vergangenen Jahren eine außergewöhnliche Phase der politischen Instabilität. Seit Premierminister John Howard 2007 nach elf Jahren seine Macht verlor, gab es immer wieder Wechsel an der Regierungsspitze. Mit drei Jahren und vier Tagen wäre Turnbull im kommenden Monat der seitdem am Längsten amtierende australische Regierungschef.