Brasiliens Staatschef Michel Temer erwägt, die Zahl der Flüchtlinge aus Venezuela zu begrenzen. Denkbar sei, an der Grenze Zutrittskarten zu vergeben, so dass nur noch 100 bis 200 täglich ankommen dürfen statt wie bisher 800, sagte er im Gespräch mit Radio Jornal. Diese Möglichkeit sei bereits im Kabinett erörtert worden.

Eine Schließung der Grenzen sei allerdings ausgeschlossen, teilte die brasilianische Regierung mit. Mit der Vergabe von Tickets an den Grenzen werde eine Möglichkeit geschaffen, notleidende und bedürftige Flüchtlinge vorzuziehen.

Angesichts zunehmender Konflikte zwischen Einheimischen und Venezolanern hatte Brasiliens Regierung am Vortag Militär an die Grenze verlegt. Der Einsatz sei jedoch auf zwei Wochen beschränkt, hieß es.

Die Massenflucht aus Venezuela bedroht nach Einschätzung der Vereinten Nationen mittlerweile die Stabilität der Nachbarstaaten. Der Exodus aus dem Land, das unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet, wachse sich zu einer überregionalen Flüchtlingskrise aus, wie es sie bereits im Mittelmeerraum gebe, erklärte die Organisation für Migration in Genf. Die zweite große UN-Flüchtlingsorganisation, das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, appellierte an die lateinamerikanischen Länder, Menschen aus Venezuela weiter Zuflucht zu bieten. Seit 2015 haben schon 1,6 Millionen Menschen das Land verlassen.