Die britische Regierung hat erste Pläne für den Fall eines Scheiterns der Brexit-Gespräche vorgelegt. Demnach will sich das Land in vielen Bereichen weiterhin an EU-Regeln und -Standards orientieren, um Chaos und Engpässe zu vermeiden.

Großbritannien scheidet Ende März 2019 aus der EU aus, die Verhandlungen über die danach gültigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien sind noch nicht abgeschlossen. Sollte kein Abkommen zustande kommen, würde das Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche haben. Für diesen Fall hat die britische Regierung nun umfangreiche Empfehlungen veröffentlicht.

Bisher hat die britische Regierung 24 Dokumente veröffentlicht, bis Ende September sollen es insgesamt rund 80 Papiere sein. Ein bisher veröffentlichtes Dokument warnt etwa, dass der zollfreie Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien im Fall eines No-Deal-Szenarios endet. Neue Vorschläge, wie dann Kontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland verhindert werden sollen, gab es aber keine.

Auch bei Dienstleistungen hätte ein Brexit ohne Abkommen weitreichende Konsequenzen, wie aus den Dokumenten hervorgeht. Britische Finanzdienstleister beispielsweise hätten nicht mehr automatisch das Recht, ihre Produkte in der EU anzubieten. Bargeldloses Bezahlen in Euro würde wahrscheinlich für britische Kundinnen und Kunden teurer werden.

Durch die Empfehlungen solle kurzfristig "so viel Kontinuität wie möglich" gewährleistet werden, sagte der britische Brexit-Minister Dominic Raab dem Sender BBC. Die Regierung in London würde sich an europäische Vorschriften auch dann halten, wenn die EU kein Entgegenkommen zeige, sagte er. Ziel sei es, das Funktionieren von Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur, Forschung und Hilfsprogrammen in jedem Fall zu gewährleisten, sagte Raab.

EU-Standards für Lebensmittel, Medikamente und Arbeitnehmerrechte sollten vorübergehend weiterhin gelten, so Raab. Erst zu Beginn der Woche hatten Krankenhausträger vor Engpässen in der Medikamentenversorgung gewarnt, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen.

Raab äußerte sich zuversichtlich, dass ein "gutes Abkommen" mit der EU rechtzeitig vor dem im März geplanten Austritt Großbritanniens zustande kommen werde. Die Verhandelnden hätten sich bereits bei 80 Prozent der Themen geeinigt, sagte Raab. Die Frage nach der künftigen Gestaltung der Grenze zwischen Großbritannien und dem EU-Mitglied Irland sei jedoch weiterhin nicht gelöst.

EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte am Dienstag nach einem Treffen mit Raab erklärt, die Gespräche gingen nun in die "Endphase". Die Verhandlungen sollten bis Oktober oder November abgeschlossen sein, damit die Parlamente der beteiligten Staaten die Vereinbarung noch rechtzeitig ratifizieren können. Wenn Großbritannien ohne eine Vereinbarung mit der EU ausscheidet, dürfte dies erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten.