In den USA haben am Jahrestag der gewaltsamen Proteste von Charlottesville zahlreiche Menschen gegen Rechtsextremismus demonstriert. In der Hauptstadt Washington versammelten sich Hunderte Gegendemonstranten, um gegen einen rechtsextremen Aufmarsch vor dem Weißen Haus zu protestieren. Auch in Charlottesville selbst versammelten sich Aktivistinnen und Aktivisten zu einer Kundgebung.

Eine Gruppe, die sich offenbar auf wenige Dutzend Rassisten beschränkte, traf aus Vienna im Bundesstaat Virginia an einer U-Bahn-Station in Washington ein, wo sie bereits am Nachmittag von rund 300 Gegendemonstranten erwartet wurden. Die Nazi-Gegner riefen "Schämt euch" und "Raus aus meiner Stadt". Polizisten und Polizistinnen eskortierten die Rassisten zum Kundgebungsort, um Zusammenstöße zu verhindern.

Die rechtsextremistische Kundgebung war auf dem Lafayette Square geplant. Am nördlichen Ende des Parks versammelten sich derweil Hunderte Nazi-Gegner zu einer Gegendemonstration. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort und hielt die beiden Kundgebungen in der Nähe des Weißen Hauses getrennt. 

Demo endet vorzeitig

Die Rechtsextremisten hatten zu der Demonstration unter dem Motto "Unite the Right 2" aufgerufen. Nach zwei Stunden und einigen Reden endete diese Kundgebung jedoch vorzeitig im Regen.

Gegendemonstrantinnen hielten Schilder mit Aufschriften wie "Deportiert Nazis", "Weiße Vorherrschaft ist Terrorismus" oder "Keine Nazis – kein KKK – keine faschistischen USA" hoch. Das Kürzel KKK steht für den rassistischen Ku-Klux-Klan. Auch in anderen US-Städten wie der Universitätsstadt Berkeley gingen linke Aktivisten sowie Anhängerinnen von Präsident Donald Trump auf die Straße.

Ein Demonstrant sagte: "Wir erheben uns gegen den rechten Flügel." Mit Blick auf Trump, der auf  Twitter "alle Formen von Rassismus und Gewalttaten" verurteilt hatte, sagte Barrows, der Präsident lüge. Trumps Aussagen seien "Bullshit", sagte eine andere Demonstrantin: "Er sagt das, weil er das sagen muss."

In Charlottesville selbst war der Nachfolgeaufmarsch verboten worden. Auf der Rednerliste steht mit David Duke auch ein ehemaliges Führungsmitglied des Ku-Klux-Klans. Die Veranstalter riefen dazu auf, nur Flaggen der USA und der Südstaaten mitzubringen. In Charlottesville hatten einige Teilnehmer Hakenkreuzflaggen gezeigt.

Erinnerung an Heather Heyer in Charlottesville

Auch in Charlottesville demonstrierten mehr als 100 Menschen gegen Rassismus. Die Demonstranten und Demonstrantinnen übten Kritik an der verstärkten Polizeipräsenz und warfen den Beamten vor, Rassisten zu unterstützen. Die Polizei war nach dem Aufmarsch von 2017 in die Kritik geraten, weil sie nach Einschätzung von Beobachtern zu passiv auf die Gewalt reagiert hatte.

Der Gründer einer Gruppe von Geistlichen und Laien, Pastor Seth Wispelwey, sagte, die Ereignisse vom August 2017 bewegten die Menschen in Charlottesville noch immer. Er hoffe, dass der Jahrestag eine Wende einleiten könne. Die Mutter der vor einem Jahr getöteten Heather Heyer, Susan Bro, sprach sich gegen Fremdenhass aus. Sehr viele Wunden müssten noch verheilen. Charlottesville und die gesamten USA hätten ein "riesiges Rassismus-Problem". Der Jahrestag handele von mehr als nur von ihrer Tochter, sagte sie und verwies auf die vielen Menschen, die damals verletzt worden seien.   

In Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia hatten sich im August 2017 Rechtsextreme zu einer Demonstration mit dem Titel Unite the Right versammelt. Am Rande einer Gegendemonstration raste ein Neonazi absichtlich mit einem Auto in die Menge und tötete die 32-jährige Heather Heyer. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.