Donald Trumps einstiger Wahlkampfmanager Paul Manafort wird in acht von achtzehn Fällen wegen Steuer- und Bankbetrugs schuldig gesprochen. Der frühere Anwalt des US-Präsidenten Michael Cohen bekennt sich ebenfalls des Steuer- und Bankbetrugs schuldig, außerdem wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung – er sagt aus, auf Trumps Geheiß ("in Absprache und auf Anweisung eines Kandidaten für ein Bundesamt") habe er hohe Summen Schweigegeld an zwei frühere Affären gezahlt, mit der "Intention, die Wahl zu beeinflussen". Und Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani hält dazu trocken fest: "Es gibt keinen Vorwurf irgendeines Fehlverhaltens gegen den Präsidenten."

Aber so einfach ist es nicht, gerade der Fall Cohen wird für Trump zunehmend gefährlich: Es steht der Vorwurf im Raum, der damalige Präsidentschaftskandidat habe Cohen angewiesen, die früheren Affären mit Geld zum Schweigen zu bringen – um seine Wahl nicht zu gefährden. Cohens Anwalt Lanny Davis fragt zu Recht: "Wenn diese Zahlungen für Michael Cohen ein Verbrechen waren, warum wären sie kein Verbrechen für Donald Trump?" Guiliani und die anderen Anwälte von Trump vertreten die Auffassung, Trump könne als Präsident nicht strafrechtlich angeklagt werden. Das würde einerseits nicht ausschließen, dass er vor Gericht käme, wenn er aus dem Amt scheidet. Andererseits ist die rechtliche Lage nicht derart eindeutig, dass Sonderermittler Robert Mueller es nicht darauf ankommen lassen könnte.

Giuliani weist auch immer wieder darauf hin, dass die Fälle Manafort und Cohen nur am Rande mit dem großen Russland-Komplex zu tun haben, den Sonderermittler Robert Mueller untersucht. Doch die Ermittlungen zu russischen Einflussversuchen auf die US-Wahl 2016, die Trump ins Weiße Haus brachte, kommen dem Präsidenten mittlerweile gefährlich nahe. Wie sehr, lässt sich immer nur erahnen, wenn es vor Gericht geht: Mueller sammelt Beweise, hört Zeugen, darüber hinaus schweigt er über die Arbeit seines Teams. Und wie bereits in früheren Anklagen geht es auch bei Manafort und Cohen noch nicht um die zentralen Fragen, ob Trumps Leute oder gar er selbst mit Russland kollaborierten oder ob der Präsident sich der Justizbehinderung schuldig gemacht haben könnte, als ihm das FBI mit seinen Ermittlungen zu lästig wurde. Diese Vorwürfe sind es, die im Weißen Haus wirklich Panik auslösen.

Trump spielt auf Zeit

Die Anklagen gegen Manafort und Cohen erfolgen dennoch auf der Grundlage von Muellers Ermittlungen. Sein Mandat geht weit über die Ursprungsfrage der Wahlbeeinflussung und die mögliche Justizbehinderung hinaus, es umfasst die Verfolgung aller Straftaten, für die sein Team Hinweise findet. Die Vorwürfe gegen Manafort beziehen sich weitgehend auf die Zeit, bevor er für Trump arbeitete: Er soll vor allem Millionen-Einnahmen aus seiner Beratungstätigkeit für prorussische Politiker in der Ukraine nicht versteuert und sich Kredite erschlichen haben. Der Schuldspruch in seinem Fall stärkt die Russland-Ermittlungen gegen die permanenten Angriffe aus Trumps Lager. Das regelmäßige Twitter-Geschrei des Präsidenten, das alles sei eine "Hexenjagd" von Leuten, die es nicht verschmerzen könnten, dass Hillary Clinton die Wahl gegen ihn verloren habe, hatte noch nie einen wirklichen Bezug zur Realität. Mit der erfolgreichen Anklage gegen Manafort ist es vollends zu einer Farce geworden.

Letzteren erwartet bereits im kommenden Monat ein weiteres Verfahren in Washington, unter anderem wegen Geldwäsche, Falschaussage und krimineller Verschwörung. Der Anreiz, mit den Ermittlern zu kooperieren, um die eigene Strafe zu verringern, ist mit dem ersten Schuldspruch sicher gewachsen. Und der Prozess im September dreht sich auch darum, ob und wofür Cohen auch aus Russland Geld bekommen hat, welche Kontakte er dorthin nutzte – womöglich auch für Trumps Interessen, also für eine mögliche Beeinflussung des Wahlkampfs.

Es könnte also nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich der Präsident über einen seiner früheren Berater ärgert. Hinzu kommt, dass Mueller derzeit versucht, mit Trumps Anwälten die Bedingungen für eine persönliche Befragung des Präsidenten auszuhandeln, für die es nun mehr denn je allen Anlass gibt. Eine Aussage unter Eid oder auch nur eine freiwillige Einlassung ohne Schwur hat ein anderes Gewicht als ständig wechselnde Statements von Giuliani oder Trump selbst. Doch Trump und seine Anwälte müssen davon ausgehen, dass die Glaubwürdigkeit dessen, was er in einem solchen Gespräch sagen würde, längst schwer beschädigt ist. Deshalb spielen sie auf Zeit und wollen es wohl nicht so weit kommen lassen. Und die Gefahr einer Amtsenthebung bleibt so lange unter Kontrolle, wie die Republikaner Trump nicht fallen lassen und ihre Mehrheiten im Kongress behalten können. So wird es vorerst dabei bleiben: Der Rückhalt seiner Basis ist für den Präsidenten weit wichtiger als jeder juristische Vorwurf. Stellen wir uns also auf weitere Hässlichkeiten ein, mit dem Ziel, die Ermittlungsbehörden zu diskreditieren, staatliche Institutionen zu untergraben und die Öffentlichkeit zu verwirren, bis niemand mehr weiß, was die Wahrheit ist.