Donald Trump hat in einer ganzen Serie von Botschaften auf Twitter diverse aktive und ehemalige Staatsdiener angegriffen sowie US-Medien, Fernsehsenderchefs, Buchautoren und die laufenden Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller. Selbst gemessen an den üblichen regen Aktivitäten des US-Präsidenten auf dem Kurznachrichtendienst stellen zehn Tweets binnen knapp drei Stunden eine außergewöhnlich große Menge an Meinungsbekundungen in außergewöhnlich kurzer Zeit dar.

Manche politische Kommentatoren wie etwa Bill Kristol, Gründer des konservativen Magazins Weekly Standard, nannten ebenfalls auf Twitter Trumps Tweet-Serie bereits einen "meltdown", eine "Kernschmelze".

Begonnen hat Trump seine Angriffe am frühen Morgen Washingtoner Zeit mit einer Aufforderung an die Muttergesellschaft des Nachrichtensenders CNN, AT&T, Senderchef Jeff Zucker (Trump wörtlich: "Little Jeff Z") zu feuern. "Der Hass und das extreme Bias gegen mich haben die Denke von CNN getrübt und hindern den Sender am weiteren Funktionieren", schrieb Trump.

In seiner darauffolgenden Botschaft sagte er die baldige Demission eines weiteren Fernsehhierarchen voraus, des Chefs von NBC News und MSNBC Andrew Lack. Trump insinuierte in seinem Tweet, ein Interview, das er dem NBC-Journalisten Lester Holt im Mai 2017 gegeben hat, sei von dem Sender verfälscht worden. In dem Gespräch hatte der US-Präsident freimütig bekannt, den ehemaligen FBI-Chef James Comey aufgrund der von dem eingeleiteten Untersuchungen über eine mögliche Einflussnahme Russlands in den US-Wahlkampf entlassen zu haben. Über den ehemaligen FBI-Chef äußerte sich Trump in einem gesonderten Tweet: "Das Einzige, bei dem James Comey je richtig lag, war, als er sagte, gegen Präsident Trump werde nicht ermittelt!"

Chaos? Kein Chaos!

In einem weiteren Tweet schrieb der US-Präsident, "die Medien" seien unehrlich. "Wahrheit bedeutet ihnen nichts, sie haben nur ihren Hass & ihre Agenda." Das schließe auch "fake books" ein, "gefälschte Bücher", die ständig über ihn erscheinen würden. In der kommenden Woche wird das nächste Buch erwartet, Fear: Trump in the White House, verfasst vom renommierten Journalisten Bob Woodward, der gemeinsam mit Carl Bernstein (den Trump kaum 24 Stunden zuvor in einem Tweet namentlich attackiert hatte) einst die Watergate-Enthüllungen der Washington Post recherchiert hat. Bislang ist noch nichts über den genauen Inhalt von Woodwards Buch bekannt geworden.

Nach seinen Äußerungen zu Medien widmete sich Trump in diversen Tweets den Umständen, unter denen die Demission des noch amtierenden Rechtsbeistands des Weißen Hauses, Don McGahn, aus seiner Sicht zustande gekommen ist. Seine Tochter Ivanka und deren Ehemann hätten nichts mit der Entscheidung zu tun, dass McGahn seinen Posten im Herbst räumen muss: "Die Fake-News-Medien stellen das absichtsvoll falsch dar! Sie lieben es, das Weiße Haus als chaotisch zu beschreiben, dabei wissen sie, dass kein Chaos herrscht – es ist eine 'gut geölte Maschine' mit veränderlichen Teilen!"

Auch die Russland-Ermittlungen (Trump: "zurechtgebastelte Hexenjagd!") hätten rein gar nichts mit der Entlassung McGahns zu tun. Die New York Times hatte zuletzt berichtet, dass der Rechtsbeistand des Weißen Hauses den Ermittlern um Robert Mueller bislang insgesamt 30 Stunden lang Rede und Antwort gestanden habe. Worüber die Mitarbeiter des Sonderermittlers mit McGahn genau gesprochen haben, ist nicht bekannt. Trump schrieb nun, er freue sich bereits auf den Nachfolger McGahns, nannte aber keine Namen möglicher Kandidaten.

Schließlich unterstellte Trump in einem weiteren Tweet einem aktuellen leitenden Angestellten des US-Justizministeriums, Bruce Ohr, der handele mit seiner Ehefrau, einer freiberuflich arbeitenden Russland-Expertin, in betrügerischem Einverständnis (es sei "unglaublich", dass Ohr weiterhin im Justizministerium tätig sein dürfe). Was genau die Eheleute verbrochen haben könnten, führte Trump nicht aus.

Nachdem er dann noch mitteilte, er werde am Abend zu einer Wahlkampfveranstaltung in den Bundesstaat Indiana reisen, beendete der US-Präsident gegen 10 Uhr Ortszeit seinen morgendlichen Aufenthalt auf Twitter und begann mutmaßlich seinen Arbeitstag.