Die vergangenen zwei Jahre haben sich oft so angefühlt, als wären in den USA dunkelste Zeiten angebrochen, in denen Fakten und lang gehegte Werte nicht mehr die geringste Bedeutung haben. Der Präsident der Vereinigten Staaten konnte leidenschaftlich lügen – oder gegenüber der Welt erklären, er traue dem Wort eines fremden Diktators mehr als dem seiner eigenen Geheimdienste – alles ohne Konsequenzen. Dementsprechend hat es etwas zutiefst erlösendes, wenn das Rechtssystem die Herrschaft kalter, harter Fakten wiederherstellt.

Trotz seines zwielichtigen Rufs stieg Paul Manafort zum Wahlkampfmanager des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner auf. Aber all sein Talent für schmeichelnde Worte und Manipulation konnte ihn nicht vor einer strafrechtlichen Verfolgung bewahren. Wenn er nicht begnadigt wird, verbringt er wahrscheinlich den Rest seines Lebens hinter Gittern.

Dank seiner vollkommenen Schamlosigkeit stieg Michael Cohen zum "Fixer" für Donald Trump auf. Aber mit all seiner Hingabe zu dem Mann, dem er große Teile seines Lebens gedient hatte, konnte er sich nicht dessen Hilfe oder Mitgefühl erkaufen; die Aussicht auf eine nur unwesentlich geringere Haftstrafe ließ ihn einen Deal schließen, der den amtierenden US-Präsidenten schwer belastet.

Alles andere als eine "Hexenjagd"

Es ist mehr als verständlich, dass diese Entwicklungen vielen von uns wieder etwas Zuversicht gegeben haben. Denn es stellt sich heraus, dass einige Institutionen in den Vereinigten Staaten immer noch funktionieren: Die Strafverfolgungsbehörden sind weiterhin in der Lage, einen der engsten Verbündeten des Präsidenten zur Rechenschaft zu ziehen. Amerika ist noch nicht so parteiisch, dass eine Geschworenenjury sich den Fakten verweigert und nur politische Einstellungen zum Maßstab ihrer Entscheidung machen würde.

Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner sind vom schieren Ausmaß der Vorwürfe gegen Trump überwältigt und gleichzeitig ein wenig verwirrt. Sie sind unsicher, ob sie seinen lärmenden Gegnern oder seinen standhaften Verteidigern trauen sollen. Für sie sind die Verfahren gegen Cohen und Manafort ein dringend nötiger Moment der moralischen Klarheit: Einer der engsten Verbündeten des Präsidenten hat Trump eines schweren Verbrechens beschuldigt. Am selben Tag hat eine Geschworenenjury einstimmig geurteilt, dass ein weiterer der engsten Verbündeten des Präsidenten sich über Jahrzehnte der Geldwäsche und anderer Straftaten schuldig gemacht hat. Selbst Amerikaner, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren und die nicht stärker geneigt sind, MSNBC zu vertrauen als sie Fox News vertrauen, sollten nun in der Lage sein zu sehen, dass die Ermittlungen von Robert Mueller alles andere als eine "Hexenjagd" sind.

Meine Sorge ist nur, dass all der Jubel verfrüht sein könnte. Es ist jetzt zwar offensichtlicher denn je, dass Donald Trump seine Wahl zum Präsidenten einer Serie schwerer Verbrechen zu verdanken hat, das wird für Jahrzehnte ein schwarzer Fleck auf unserer Republik bleiben. Aber klar ist auch: Der wahre Kampf kommt erst noch.

Trump achtet keine der demokratischen Institutionen

Robert Muellers Ermittlungen sind mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und mit großem Erfolg vorangekommen. Aber wichtige Fragen sind noch unbeantwortet: Etwa wie sehr Donald Trump selbst in die Beeinflussung der Präsidentschaftswahl durch Russland verwickelt war. Und in der Tat wie kriminell seine Geschäftspraktiken gewesen sind. Aber Michael Cohens Deal mit der Staatsanwaltschaft, der wachsende Druck auf Paul Manafort, mit Muellers Ermittlern zu kooperieren, und die juristischen Risiken, vor denen eine Reihe von Trumps Mitarbeitern steht, machen eines sehr wahrscheinlich: Mueller ist in der Lage, genügend Beweismaterial zusammenzutragen für sehr gewichtige Anschuldigungen gegen den Präsidenten.

Donald Trump hat derweil umfänglich klargemacht, dass er keine der beteiligten demokratischen Institutionen für legitim hält: nicht das FBI, nicht das Justizministerium und ganz sicher nicht die Untersuchungen des Sonderermittlers. Deshalb greift er sie praktisch täglich auf Twitter und im Fernsehen an. Und darum testet er Wege, wie er die Gewaltentrennung untergraben kann, indem er seine Kritiker feuern lässt oder ihnen die Sicherheitsfreigabe entzieht.