Die USA haben neue Sanktionen gegen Russland wegen des Giftanschlags auf den früheren russischen Agenten Sergej Skripal in Kraft gesetzt. Diese hatte die US-Regierung Anfang August angekündigt, nachdem sie Moskau für den Angriff auf Skripal und dessen Tochter Julija in Großbritannien verantwortlich gemacht hatte. Die Sanktionen beinhalten unter anderem den Stopp von Waffen- und Technologieexporten sowie ein Ende der Zahlung von Hilfsgeldern.

Die Regierung in Moskau hatte bereits Vergeltung im "gleichen Umfang" angekündigt. Einige Bereiche wie die Raumfahrt sollen aber ganz von Sanktionen ausgenommen bleiben. Nach Angaben aus der US-Regierung könnten die neuen Maßnahmen Washingtons die russische Wirtschaft dennoch Hunderte Millionen Dollar kosten.

Grundlage der US-Sanktionen ist das Gesetz zur Kontrolle chemischer und biologischer Waffen. Es sieht vor, dass der US-Präsident bestimmte Sanktionen gegen Staaten verhängt, wenn sie solche Waffen eingesetzt haben. Es ist das erste Mal, dass Russland auf Grundlage dieses Gesetzes von den USA mit Sanktionen belegt wird. Damit folgt das Land auf Syrien und Nordkorea. Dem Gesetz zufolge hat Russland nun 90 Tage Zeit, um den Verzicht auf chemische und biologische Waffen zu erklären. Andernfalls könnten weitere Sanktionen folgen, die nach Angaben der US-Regierung "drakonisch" ausfallen könnten.

Diese Maßnahme dürfte die Beziehungen zwischen den Regierungen in Washington und Moskau weiter verschlechtern. Nach Einschätzung des russischen Außenministeriums erschwerten die Sanktionen jeden Dialog mit Washington. Russland behalte sich Gegenmaßnahmen vor, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Man werde abwarten, wie sich die Strafen auswirken, um dann angemessen zu reagieren.

Sergej Skripal und seine Tochter Julia wurden im März in Großbritannien mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Beide entkamen nur knapp dem Tod. Großbritannien und die USA machten die russische Regierung für die Tat verantwortlich. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder damit. Der Kreml wies die Vorwürfe zurück.

Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Etwa 25 Staaten sowie die Nato hatten als Konsequenz aus dem Fall insgesamt mehr als 140 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Der Kreml reagierte mit der Ausweisung ähnlich vieler Diplomaten. Allein die USA hatten 60 Russen zu "unerwünschten Personen" erklärt und sie ausgewiesen. US-Präsident Donald Trump warf Deutschland später vor, im Vergleich dazu zu wenig getan zu haben. Die Bundesregierung hatte vier Diplomaten ausgewiesen.