Die Gespräche über ein neues nordamerikanisches Freihandelsabkommen zwischen den USA und Kanada sind ohne eine Einigung abgebrochen worden. US-Präsident Donald Trump habe den Kongress über die Absicht unterrichtet, an Stelle des Abkommens der drei Länder USA, Mexiko und Kanada (Nafta) künftig ein bilaterales Abkommen mit Mexiko zu setzen, teilte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer mit. Dennoch sollten die Gespräche mit Kanada am Mittwoch nächster Woche fortgesetzt werden. Die bisherigen Verhandlungen seien konstruktiv verlaufen, es gebe Fortschritte, sagte Lighthizer.

Mit Mexiko hatten sich die USA schon auf ein vorläufiges Abkommen geeinigt. Um Kanada mit einzubeziehen, hatte Trump eine Frist bis zu diesem Freitag gesetzt. Diese erlaubt es dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto, die Vereinbarung noch zu unterzeichnen. Er scheidet Ende November aus dem Amt. Trump muss nach amerikanischem Recht 90 Tage mit seiner Unterschrift warten.

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland sagte nach dem vorläufigen Abbruch der Gespräche: "Wir kommen am nächsten Mittwoch wieder und wir verhandeln, bis wir einen Deal haben." Allerdings müsse es ein guter Deal für die kanadischen Arbeiter sein. Die von den USA erhobenen und mit Aspekten der nationalen Sicherheit begründeten Sonderzölle auf Stahl und Aluminium bezeichnete sie als absurd.

Fokus der Verhandlungen bleibe der Autosektor, sagte Freeland. Hier habe Mexiko bereits sehr große Flexibilität gezeigt. Im Kern geht es darum, wie viel Prozent der Teile eines Autos aus einem der Länder der jeweiligen Handelspartner kommen müssen, damit auf gegenseitige Zölle verzichtet wird. Die USA und Mexiko hatten sich darauf geeinigt, den Anteil von bisher 62,5 Prozent auf 75 Prozent anzuheben. Gleichzeitig stimmte Mexiko einer Erhöhung des Mindestlohns in einigen Bereichen der Automobilindustrie auf 16 Dollar zu – dies war eine Forderung der Hochlohnländer Kanada und USA gewesen.

Freeland hatte vier Tage lang in Washington versucht, einen Kompromiss auszuhandeln. Nach anfänglichem Optimismus hatte sie am Freitag vor Beginn der abschließenden Verhandlungsrunde erklärt, am Ende müsse sie die Interessen ihres Landes im Auge behalten. Freeland wies darauf hin, dass Kanada einer der größten Absatzmärkte für die USA sei – größer als China, Japan und Großbritannien zusammen.