Kofi Annan, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen, ist tot. Er sei am Samstag nach kurzer Krankheit in einem Krankenhaus in Bern im Alter von 80 Jahren gestorben, teilte seine Stiftung in Genf mit. Seine Frau Nane und die Kinder Ama, Kojo und Nina haben demnach die letzten Tage an seiner Seite verbracht. Er habe "während seines gesamten Lebens für eine gerechtere und friedlichere Welt" gekämpft, heißt es in der Mitteilung der Stiftung.  

Auch UN-Generalsekretär António Guterres reagierte auf den Tod seines Amtsvorgängers. "Kofi Annan war eine führende Kraft für das Gute", hieß es in einem Schreiben von Guterres. Annan habe die Vereinten Nationen mit Würde, Entschlossenheit und im Geist des Dialogs geleitet. Die Werte der UN-Charta hätte er auch in den gegenwärtigen turbulenten und herausfordernden Zeiten am Leben gehalten.

"Hartnäckiger Kämpfer für Frieden"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Annan als "sanften, aber hartnäckigen Kämpfer für Frieden und Menschenrechte". "Er glaubte an eine bessere Zukunft und arbeitete bis ins hohe Alter daran, Gewalt zu beenden und Frieden zu stiften", schrieb Steinmeier. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob hervor, dass Annan mit seinen Ideen, seinen aufrechten Überzeugungen und seinem Charisma neben vielen anderen auch sie inspiriert habe.

Staatschef Emmanuel Macron twitterte: "Wir werden nie seinen ruhigen und entschlossenen Blick vergessen, ebenso wenig wie die Kraft seiner Kämpfe." Macron nannte Annan "einen herausragenden Staatsmann im Dienste der Weltgemeinschaft".

Der Häuptlingssohn aus Ghana, der am 8. April 1938 in Kumasi an der Goldküste geboren wurde, verbrachte nahezu sein gesamtes Berufsleben bei den Vereinten Nationen. 1997 wurde Annan auf Vorschlag der USA, die sich einer Wiederwahl des Ägypters Butros Butros-Ghali widersetzten, als erster Mann aus Subsahara-Afrika UN-Generalsekretär. Fünf Jahre später hatte er sich international einen solchen Ruf erworben, dass seine Wiederwahl unumstritten war.

In seine Amtszeit fielen die Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA, die Kriege in Afghanistan, im Irak und im Sudan sowie viele weitere lokale Konflikte in Afrika, Zentralasien und dem Nahen Osten. Die von ihm angestrebte Reform der Vereinten Nationen blieb in Ansätzen stecken.  

Das moralische Gewissen der Welt

In seinen zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen galt Annan als das moralische Gewissen der Welt. Er setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und kritisierte im Streit um den Irak-Krieg auch die damalige US-Regierung.

2001 erhielt er zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis. Zudem hat er zwei Dutzend Ehrendoktortitel aus vier Kontinenten und bekam im Jahr 2003 den Sacharow-Preis des EU-Parlaments. Die englische Königin Elizabeth II. schlug ihn 2007 ehrenhalber zum Ritter. 

Insgesamt arbeitete Annan mehr als 40 Jahre im Dienst der Vereinten Nationen, unter anderem als Leiter der UN-Friedensmissionen. 2012 wurde er UN-Sonderbeauftrager für Syrien. Fast sechs Monate lang versuchte er, eine Lösung für den Syrien-Konflikt zu finden und den Krieg zu einem Ende zu führen. Doch die Interessensgegensätze der syrischen und ausländischen Kriegsparteien waren zu groß.

Auf Twitter bat die Familie darum, ihre Privatsphäre zu wahren. Wie man Annans bemerkenswertes Leben zu feiern gedenke, werde später bekannt gegeben.