In Spanien steigt die Zahl der Migranten, die über das Mittelmeer ankommen. Die Bundesregierung befürchtet, dass sich viele Migranten auf den Weg nach Frankreich, in die Beneluxländer und nach Deutschland machen könnten. Staatssekretär Helmut Teichmann sagte der Bild am Sonntag, das Bundesinnenministerium überlege deshalb, die Grenzen zur Schweiz und zu Frankreich stärker zu beobachten. So könnten die Schleierfahndung und Kontrollen verstärkt werden.

In Spanien wurden in diesem Jahr bisher rund 24.000 Migranten registriert. Das entspricht der gesamten Zahl von 2017. Die Migranten steigen oft in Marokko auf Boote, weil es von dort zum Teil nur wenige Kilometer über das Meer bis zum spanischen Festland sind. Erstmals seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 sind im ersten Halbjahr 2018 mehr Bootsflüchtlinge in Spanien angekommen als in Italien. Dort landeten knapp 19.000 Menschen.

Italiens harter Kurs

Italiens neue nationalpopulistische Regierung hat den Kurs in der Flüchtlingspolitik verschärft. Zuletzt hat Innenminister Salvini mehreren privaten Rettungsschiffen die Einfahrt Hafen des Landes verwehrt. Einige Schiffe legten daraufhin in Spanien an.

Frontex-Chef Fabrice Leggeri warnt seit Monaten davor, der Weg über Spanien könne die neue Hauptroute für Flüchtlinge werden. In Spanien regiert seit Kurzem eine sozialdemokratische Regierung. Kritiker werfen Regierungschef Pedro Sánchez vor, Migranten zur Einreise nach Spanien zu ermuntern. Insgesamt liegt die Zahl der Einwanderer in die EU jedoch deutlich unter den Spitzenwerten von 2015.

Die Regierung in Madrid fordert mehr Beistand der EU-Partner. Auch die EU-Kommission hatte sich zuletzt für eine EU-weite Lösung für die Verteilung von Flüchtlingen ausgesprochen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich Ende Juni auf einen Kompromiss in der Migrationspolitik geeinigt. Unter anderem sollen auf freiwilliger Basis gemeinsame Asylzentren innerhalb der EU eingerichtet und Aufnahmelager für Flüchtlinge in Drittstaaten geprüft werden.