Im Kampf gegen die Inflation sind in Venezuela am Montag neue Geldscheine in Umlauf gebracht worden. Die Landeswährung Bolívar verfügt nun über fünf Nullen weniger. Die Maßnahme ist Teil einer Reihe umstrittener Reformen von Staatschef Nicolás Maduro angesichts der schweren Wirtschaftskrise.

Außerdem wird der Mindestlohn um 3.000 Prozent erhöht. Auch die Steuern werden angehoben, was die Staatseinnahmen stützen soll. Zudem sollen Gehälter, Preise und der Wechselkurs des Landes an die staatlich unterstützte Kryptowährung Petro gekoppelt werden.

Wirtschaftsvertreter bezeichneten diesen Schritt als kontraproduktiv. Die Maßnahme werde die wirtschaftliche Instabilität weiter verschärfen, sagte der Vorsitzende des führenden Unternehmerverbands Fedecámaras, Carlos Larrazábal. Die Venezolanerinnen und Venezolaner reagierten nervös auf den neuen Bolívar, die meisten Geschäfte blieben nach der Ausgabe der neuen Scheine geschlossen.

Der alte Bolívar war praktisch wertlos

Venezuela befindet sich schon seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise, der alte Bolívar war praktisch wertlos. Durch den Verfall des Ölpreises seit 2014 fehlt dem südamerikanischen Staat das Geld. Öl ist die Haupteinnahmequelle für Venezuela. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge schrumpfte die Wirtschaft des Landes 2017 um zwölf Prozent. Es gibt gravierende Versorgungsengpässe im Land, die nach UN-Angaben bereits mehr als zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben haben.

Für dieses Jahr sagt der IWF eine Inflation von einer Million Prozent in Venezuela voraus. Die Opposition wirft Maduro den Aufbau einer Diktatur, Misswirtschaft und Korruption vor. Maduro wirft den USA vor, einen Wirtschaftskrieg in seinem Land angezettelt zu haben. Er hatte in der Nacht zum Samstag im staatlichen Fernsehen umfassende Reformen angekündigt. "Ich will, dass sich das Land wieder erholt, und ich habe das Rezept dafür. Vertraut mir", sagte er.  

Am Montag kamen erneut zahlreiche Venezolanerinnen und Venezolaner über die Grenze nach Brasilien. Ein Armeevertreter im brasilianischen Grenzort Pacaraima rechnete mit rund 900 Neuankömmlingen. Zuletzt waren im Schnitt etwa 500 Menschen pro Tag über die Grenze gekommen. Nachdem Einheimische in dem Grenzort am Wochenende Zelte von Flüchtlingen angezündet hatten, kehrten etwa 1.200 Flüchtlinge nach Venezuela zurück. Brasiliens Präsident Michel Temer entsandte Soldaten an die Grenze.

Venezuela - »Du vermisst Venezuela, obwohl du im Land bist« Im Mai wurde Nicolás Maduro in Venezuela erneut zum Präsidenten gewählt. Im Video sprechen junge Venezolaner über die triste Stimmung im Land.