Bei der Parlamentswahl in Kambodscha hat die Volkspartei des seit 33 Jahren amtierenden Ministerpräsidenten Hun Sen alle 125 Sitze erhalten. Laut amtlichem Endergebnis entfielen auf die Partei fast 77 Prozent der abgegebenen Stimmen. Allerdings wurden ihr alle Sitze zugeschlagen, da die Opposition die Wahl boykottiert hatte.

Politische Gegner zweifeln sowohl die Legitimität als auch das Ergebnis der Wahl an. Hun Sen hatte im vergangenen Jahr die oppositionelle Nationale Rettungspartei Kambodschas (CNRP) unter dem Vorwurf auflösen lassen, einen Umsturz zu planen. Die bis dahin größte Oppositionskraft des Landes rief daraufhin zum Boykott der Parlamentswahl auf. Wichtige Oppositionsführer befinden sich im Gefängnis, im Untergrund oder im Exil.

Auch die Europäische Union und die USA sprachen den Wahlen die demokratische Glaubwürdigkeit ab. Die US-Regierung erwägt, die Strafmaßnahmen gegen Mitglieder von Hun Sens innerem Zirkel auszuweiten. Erste Einschränkungen bei der Vergabe von Visa hatten die USA bereits im vergangenen Jahr veranlasst.