Weggefährten und Politiker aus aller Welt haben den verstorbenen früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan gewürdigt. Er habe sein Leben damit verbracht, sich für Frieden und menschliche Würde einzusetzen, schrieb US-Außenminister Mike Pompeo in einer Kondolenzbotschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte mit, Annan habe sie und viele andere "mit seinen Ideen, seinen aufrechten Überzeugungen und nicht zuletzt seinem Charisma" inspiriert. Er sei ein "herausragender Staatsmann im Dienste der Weltgemeinschaft" gewesen.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, er habe Annan für dessen Weisheit und Mut bewundert sowie für dessen Fähigkeit, selbst unter unheilvollsten und kritischsten Umständen ausgewogene Entscheidungen zu treffen. Indiens Ministerpräsident Narendra Modi schrieb: "Die Welt hat nicht nur einen großartigen afrikanischen Diplomaten und Menschenfreund verloren, sondern einen gewissenhaften Hüter von internationalem Frieden und Sicherheit."

Obama trauert, Trump schweigt

Ex-US-Präsident Barack Obama schrieb, Annan habe "die Mission der Vereinten Nationen verkörpert wie wenige andere". Auch lange nachdem er "Barrieren gebrochen hatte", habe er "sein Streben nach einer besseren Welt nie aufgegeben". Der amtierende US-Präsident Donald Trump verfasste seit Bekanntwerden von Annans Tod acht Tweets im Kurznachrichtendienst Twitter. In keinem davon ging es allerdings um Annan. Das Verhältnis zwischen Trumps Regierung und den Vereinten Nationen gilt als angespannt.

Der aus Ghana stammende Annan starb am Samstag friedlich nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren, wie seine nach im benannte Stiftung mitteilte. Seine Frau Nane Maria Lagergren und seine beiden Kinder seien in seinen letzten Tagen bei ihm gewesen. "Wo immer es Leid oder Not gab, war er zur Stelle und hat mit seinem tiefen Mitgefühl und Einfühlungsvermögen viele Menschen berührt", twitterte die Stiftung. Einzelheiten zu seiner Erkrankung teilte sie nicht mit.

Der 1938 geborene Annan studierte in den USA und der Schweiz und verbrachte praktisch sein ganzes Berufsleben im Dienst der Vereinten Nationen. Annans Zeit als UN-Generalsekretär war geprägt von Konflikten etwa im Kosovo, Nahen Osten und Sudan, dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus nach den Anschlägen vom 11. September 2001, aber auch von Krisen innerhalb der Organisation.

So geriet er persönlich in die Kritik, weil sein Sohn Kojo Zahlungen von einem schweizerischen Unternehmen erhalten hatte, das im Auftrag der UN Warenlieferungen an den Irak im Rahmen des Programms "Öl für Lebensmittel" erhalten hatte. US-Senatoren forderten seinen Rücktritt. Eine Kommission unter dem Vorsitz des früheren US-Notenbankchefs Paul Volcker entlastete ihn zwar vom Vorwurf der Korruption, bescheinigte ihm aber, seine Behörde nicht richtig im Griff gehabt zu haben. In seinen Erinnerungen scherzte Annan rückblickend, als Generalsekretär sei man gelegentlich auch der Sündenbock der UN.

Nach Ende seiner Zeit an der Spitze der UN war Annan weiter als Vermittler engagiert, etwa nach der umstritten Präsidentenwahl in Kenia 2007 und als Sondergesandter im Syrien-Konflikt 2012. Zuletzt leitete er eine Kommission, die das Vorgehen des Militärs in Myanmar gegen muslimische Rohingya untersuchte.

Wenige Wochen vor seinem Tod hatte sich Annan besorgt über die aktuelle Weltlage gezeigt. "Keine Nation kann Sicherheit gewinnen, indem sie Überlegenheit über andere anstrebt", schrieb er am 3. Juli in einem Tweet, der offenbar auf die USA gemünzt war.