Kolonialgeschichte - Deutschland gibt Gebeine an Namibia zurück Deutsche Truppen haben im damaligen Deutsch-Südwestafrika Zehntausende Menschen getötet. In einer Zeremonie wurden nun gestohlene Überreste an Namibia zurückgegeben. © Foto: Christian Mang/Reuters

In einer feierlichen Zeremonie hat Deutschland menschliche Überreste aus der Kolonialzeit an Namibia zurückgegeben. Vor der feierlichen Übergabe fand in der Friedrichswerderschen Kirche ein Gedenkgottesdienst statt. In diesem sagte Petra Bosse-Huber, Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche: "Gemeinsam mit den Nachfahren der Opfer wollen wir das Gedenken an die Opfer wachhalten, für die Anerkennung des Genozids öffentlich eintreten und an der Überwindung des durch die deutsche Kolonialzeit begründeten und danach fortwirkenden Unrechts arbeiten." Anschließend wurden die Gebeine in einer feierlichen Zeremonie vom Auswärtigen Amt und namibischer Botschaft durch Staatsministerin Michelle Müntefering (SPD) übergeben.

Bereits zum dritten Mal übergibt die Bundesrepublik damit Gebeine, die während der Kolonialzeit außer Landes gebracht wurden, zurück an Namibia. Das südafrikanische Land war von 1884 bis 1919 unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika deutsche Kolonie. Während dieser Zeit wurden die Einheimischen ausgebeutet und unterdrückt. Schädel und andere menschliche Überreste wurden nach Deutschland gebracht und landeten dort unter anderen in den Sammlungen von Museen.

Besonders brutal gingen deutsche Truppen von 1904 bis 1908 gegen einen Aufstand der um ihren Landbesitz fürchtenden Stämme der Herero und Nama vor. Der damalige deutsche Befehlshaber Lothar von Trotha befahl damals in einem "Vernichtungsbefehl", die Herero und Nama zu ermorden. Das Geschehen mit Zehntausenden Toten bezeichnen Wissenschaftler und Politiker inzwischen übereinstimmend als Völkermord.

Mitglieder der namibischen Delegation während des Gedenkgottesdienstes in der Friedrichswerderschen Kirche © Christian Mang/Reuters

Offen ist weiterhin die Frage, ob es in den USA zu einem Verfahren gegen Deutschland kommt. Vertreter der Herero und Nama hatten Anfang 2017 vor dem Bezirksgericht in New York eine Klage eingereicht, weil sie sich nicht angemessen an dem Dialog beteiligt fühlen. So kritisierte Herero-Anführer Vekuii Rukoro, dass er nicht zur Übergabezeremonie nach Deutschland eingeladen wurde.

Friedliche Proteste während der Zeremonie

Auch der heutige Gottesdienst und die anschließende Zeremonie wurden von friedlichen Protesten von Vertretern der Herero und Nama begleitet. Dabei ging es unter anderem um die Zahlung von Entschädigungsleistungen. Zwar hat die Bundesregierung die damaligen Ereignisse inzwischen als Völkermord klassifiziert, will aber dennoch keine Entschädigungszahlungen leisten.

In der gemeinsamen Predigt mit Auslandsbischöfin Bosse-Huber erinnerte Ernst Gamxamub, Bischof der Evangelisch Lutherischen Kirche in Namibia, an die Geschichte Namibias und Deutschlands, die aus einer sehr schlimmen Erfahrung und Realität geboren sei. "Lasst uns darum aus unserer Vergangenheit lernen, unsere Zukunft, die durch folgende Werte geprägt ist, neu zu schreiben: menschliche Würde, Respekt, Gleichheit, gutes Zusammenleben, gegenseitige Ermächtigung, Frieden und Gerechtigkeit", sagte er. Bischöfin Bosse-Huber sagte: "Der heutige Tag bewegt mich sehr. Wir wollen heute etwas tun, was schon seit vielen Jahren hätte getan werden müssen: nämlich die Gebeine von Menschen, die Opfer des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts geworden sind, an ihre rechtmäßigen Nachfahren zurückgeben."

Am 31. August sollen die Gebeine bei einem Staatsakt in Namibias Hauptstadt Windhuk in Empfang genommen werden.