Der konservative Politiker Iván Duque hat bei seiner Vereidigung als neuer Präsident Kolumbiens angekündigt, den Friedensvertrag mit der linken Guerillaorganisation Farc ändern zu wollen. "Wir müssen korrigieren, was nötig ist, und etwas Neues aufbauen", sagte der 42-jährige Jurist bei seiner Antrittsrede.

Duque übernimmt die Regierungsgeschäfte von Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos. Zehn Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen aus 17 Ländern nahmen an der Amtseinführung im historischen Zentrum der Hauptstadt Bogotá teil. Duque war Mitte Juni zum Nachfolger von Santos gewählt worden.

Der Friedensprozess in Kolumbien ist immer noch fragil, selbst kleine Änderungen an dem über Jahre ausgehandelten Abkommen könnten ihm schaden, fürchten Experten. Duque hatte vor seinem Amtsantritt angekündigt, "signifikante Korrekturen" an dem Vertrag vornehmen zu wollen. Insbesondere die Übergangsjustiz, die der Mehrheit der ehemaligen Rebellen eine Amnestie garantiert, und die politische Beteiligung der mittlerweile gegründeten Farc-Partei sieht Duque kritisch. Mehrfach hatte er angedeutet, das Abkommen sei gegenüber der Farc zu milde. Kritiker fürchten, er könnte die Guerilleros wieder in den Untergrund treiben.

Auch die Gespräche mit der kleineren Rebellengruppe ELN dürften unter Duque schwieriger werden. Die Verhandlungen könnten nicht fortgesetzt werden, solange die Guerilla die Kampfhandlungen nicht einseitig einstellt, sagte Duque.

Ein Ziehsohn von Álvaro Uribe

Bei seiner Vereidigung nannte Duque keine Details zu seinen Plänen. Er sagte aber, die Korrekturen dienten dazu, den Opfern "die Wahrheit, angemessene Gerechtigkeit, Entschädigungen und keine Wiederholungen" der Vergangenheit zu ermöglichen.

Der neue Staatschef ist ein politischer Ziehsohn des rechten Ex-Präsidenten Álvaro Uribe (2002–2010), der als stärkster Kritiker des Vertrags mit den Farc gilt. Die Zukunft des Friedensprozesses dürfte vor allem davon abhängen, ob sich Duque von seinem Förderer emanzipiert.

Der Friedensvertrag mit der Farc wurde im Dezember 2016 von Santos und dem Kommandeur der linken Guerillaorganisation, Rodrigo "Timoschenko" Londoño, unterzeichnet. Für seine Bemühungen in dem mehr als 50 Jahre andauernden Konflikt wurde der damalige Präsident Kolumbiens im selben Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Bis dahin waren durch die Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Kräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs etwa 220.000 Menschen getötet und mehr als fünf Millionen Menschen vertrieben worden.

International wurde das Abkommen einst gefeiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb deshalb auch an Santos' Nachfolger Duque: Die Chancen auf eine dauerhafte friedliche Beilegung des jahrzehntelangen bewaffneten Konflikts seien größer denn je. In ihrem Glückwunschtelegramm hieß es weiter: "Die mutigen Schritte, die Kolumbien in den letzten Jahren zur inneren Befriedung unternommen hat, geben vielen Menschen im Land große Hoffnung auf eine bessere Zukunft und stoßen weltweit auf Respekt und Anerkennung."

Innerhalb Kolumbiens ist das Abkommen jedoch umstritten. Kritiker bemängeln vor allem die relativ milden Strafen für die Ex-Rebellen und die garantierten Parlamentssitze für die früheren Guerilla-Kommandeure. Die Farc hingegen wirft der Regierung vor, nicht genug für die Resozialisierung der ehemaligen Kämpfer zu tun.

Und auch abseits des Friedensprozesses hinterlässt Santos seinem Nachfolger eine ganze Reihe von Problemen: Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt, kriminelle Banden terrorisieren in vielen Landesteilen noch immer die Bevölkerung, das Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück und das Verhältnis zum Nachbarn Venezuela ist zerrüttet.

Keine "Art von Diktatur" dulden

Duque kündigte in seiner Antrittsrede eine Reihe von Initiativen an: Er will Steuern senken, Bürokratie abbauen, den Kampf gegen die Korruption verschärfen sowie Gesundheitsversorgung und Bildung verbessern. Gegenüber Venezuela und dessen Präsidenten Nicolás Maduro kündigte er eine harte Linie an: Kolumbien werde "jede Art von Diktatur auf dem Kontinent zurückweisen", sagte der neue Präsident.  

Duque will zudem die tief gespaltene Gesellschaft einen. "Wenn wir als Volk zusammenstehen, kann uns niemand aufhalten", sagte der neue Präsident. "Ich kenne keine Feinde, ich will für alle regieren."