Angesichts der sich zunehmend verschärfenden Wirtschaftskrise in der Türkei zeigen sich Anleger weltweit beunruhigt. So gaben Aktien der europäischen Tourismusbranche deutlich nach. Tui-Papiere büßten an der Börse in London rund dreieinhalb Prozent ein, die Aktien des Konkurrenten Thomas Cook verloren eineinhalb Prozent. Die Aktien des Billigfliegers EasyJet, der mehrere Flughäfen in der Türkei anfliegt, gaben ebenfalls um mehr als ein Prozent nach.

Zwar sei der massive Werteverfall der türkischen Lira prinzipiell gut für Touristen, sagte Marktbeobachter Neil Wilson von Markets.com und verwies auf die steigende Kaufkraft von Besucherinnen und Besuchern im Land. Doch die Angst vor einem wirtschaftlichen Kollaps in der Türkei überwiege. Wilson zufolge sinkt die Risikobereitschaft europäischer Anleger weiter, sollten weitere Schwellenländer zunehmend in den Sog der Krise geraten. Indiz dafür ist, dass jüngst auch die Währungen von Ländern wie Südafrika, Indien und Russland auf mehrjährige Tiefststände gefallen sind.

Auch in Asien sind Anleger besorgt

Der Konflikt zwischen der Türkei und den USA hatte bereits vor dem Wochenende Börsen weltweit erfasst und Kurse einbrechen lassen. Zu Beginn der neuen Handelswoche zeigte sich diese Unruhe auch an den regionalen Aktienmärkten in Asien, wo es ebenfalls zu teils drastischen Kursverlusten kam. Der CSI 300 Index, welcher die Kursentwicklungen der beiden größten Börsen Chinas zusammenfasst, verlor zum Wochenstart 0,43 Prozent. Noch deutlicher ging es für den Hang Seng in Hongkong abwärts, der Index verlor 1,46 Prozent. Investoren flüchteten sich in als sicher geltende Anlageformen wie Staatsanleihen und den japanischen Yen.

Noch geben sich Analystinnen und Aktienhändler allerdings noch nicht allzu pessimistisch. Der Ökonom Stefan Bielmeier von der DZ Bank etwa sagt: "Weder gehen wir von einer Eskalation der globalen Handelsstreitigkeiten in Form eines waschechten Handels- oder Währungskrieges aus, noch zeichnet sich ein markanter Einbruch des weltweiten Wirtschaftswachstums ab." Kim Doo Un, Volkswirt beim Brokerhaus KB Securities, macht indes eine Einschränkung: "Ich glaube, dass die Schwellenländer, die mit US-Präsident Donald Trump eine schwierige Verbindung haben, die ersten sein könnten, die unter einer Kapitalflucht leiden."

Streit um Brunson – und Gülen

Im Streit zwischen Washington und Ankara waren am Montagmorgen erhöhte US-Strafzölle in Kraft getreten. Türkischer Stahl wird nun mit 50 Prozent statt wie bisher mit 25 Prozent belegt. Nach dem massiven Wertverfall der türkischen Lira hat sich inzwischen die Zentralbank des Landes eingeschaltet. Präsident Recep Tayyip Erdoğan rief türkische Unternehmen dazu auf, sich von der derzeitigen Wirtschaftslage nicht beeinflussen zu lassen

Gleichzeitig kündigte das türkische Innenministerium an, gegen negative Kommentare zur heimischen Wirtschaft in den sozialen Netzwerken vorzugehen. Entsprechende rechtliche Maßnahmen würden eingeleitet. Seit dem 7. August seien 346 Nutzerkonten ausgemacht worden, in denen der Verfall der Landeswährung Lira auf "provozierende Art und Weise" kommentiert worden sein soll.

Auslöser der von den USA verhängten Strafzölle ist die Inhaftierung des US-Amerikanischen Pastors Andrew Brunson, welcher in der Türkei unter Spionageverdacht steht. Die Türkei verlangt die Auslieferung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdoğan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Mittlerweile hat sich der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu offen für Gespräche mit den USA gezeigt. Die Türkei sei an einem Konsens interessiert und offen gegenüber diplomatischen Initiativen, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Allerdings erwarte man, "dass die USA unserer traditionellen Freundschaft und unserer Nato-Allianz treu bleibt", so Çavuşoğlu.