US-Präsident Donald Trumps früherer Anwalt Michael Cohen ist zur Zusammenarbeit mit Sonderermittler Robert Mueller bereit. Sein Mandant habe Kenntnis über Themen, die Mueller interessieren dürften, sagte Cohens Anwalt Lanny Davis dem Sender MSNBC. Cohen wäre "überglücklich, dem Sonderermittler alles zu sagen, was er weiß". Mueller ermittelt, ob und inwieweit Russland Einfluss auf die US-Wahl von 2016 genommen hat.

Cohen hatte sich am Dienstag unter anderem schuldig bekannt, gegen Regeln zur Wahlkampffinanzierung verstoßen zu haben. Vor einem Bundesrichter im New Yorker Stadtteil Manhattan räumte er ein, Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und an das Ex-Playmate Karen McDougal gezahlt zu haben, die nach eigenen Angaben sexuelle Kontakte zu Trump hatten. Er habe dabei auf Anweisung "eines Kandidaten" gehandelt und mit der "Intention, die Wahl zu beeinflussen", sagte Cohen.

Der Anwalt galt als Trumps Ausputzer und als absolut loyal zum US-Präsidenten. Cohens Anwalt Davis sagte nun allerdings, sein Mandant erfülle ein Versprechen: "seine Familie und sein Land voranzustellen und die Wahrheit über Donald Trump zu erzählen".

Cohen kann auf geringeres Strafmaß hoffen

Sollte Cohen gegen Trump aussagen, dürfte er auf ein geringeres Strafmaß hoffen. Für die Republikaner kommen die Aussagen zur Unzeit: Zwar kann der US-Präsident nach geltendem Recht nicht vor Gericht gestellt werden; sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen, dürften die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren lauter werden – und das wenige Monate vor den sogenannten Midterm Elections, den Kongresswahlen im November.

Das Weiße Haus wollte sich zu Cohens Vorwürfen nicht äußern. Regierungssprecherin Sarah Sanders sagte Journalistinnen und Journalisten knapp, sie sollten sich "an den externen Berater des Präsidenten" wenden. Der gemeinte Berater, Trumps Anwalt Rudy Giuliani, sagte US-Medien, in den Anschuldigungen gegen Cohen gebe es "keine Vorwürfe hinsichtlich eines Fehlverhaltens des Präsidenten".

Trump bezichtigt Cohen der Falschaussage

Der US-Präsident attackierte Cohen am Mittwoch auf Twitter: "Wenn irgendjemand einen guten Anwalt sucht, würde ich dringend davon abraten, die Dienste von Michael Cohen in Anspruch zu nehmen", schrieb Trump. In weiteren Tweets bezichtigte er seinen früheren Anwalt der Falschaussage. Cohen habe "Geschichten erfunden", um mit der Staatsanwaltschaft eine strafmindernde Vereinbarung auszuhandeln. Auch habe sich der Jurist schuldig bekannt in zwei Fällen, die "kein Verbrechen" darstellten. Cohen sei vor der Justiz "eingeknickt". Das Wort Justiz setzte er dabei in Anführungszeichen.

Positiv äußerte sich der US-Präsident dagegen über seinen früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort, der ebenfalls am Vortag vor Gericht stand und wegen Finanz- und Steuerbetrugs schuldig gesprochen wurde. "Solch ein Respekt für einen tapferen Mann", schrieb der Präsident über Manafort. Dieser sei vor Gericht hart geblieben, obwohl die Justiz "enormen Druck" auf ihn ausgeübt habe. "Paul Manafort und seine wunderbare Familie tun mir sehr leid", schrieb Trump. Der Präsident erneuerte seinen Vorwurf, dass es sich bei der Angelegenheit um eine "Hexenjagd" handle.

Das Jury-Urteil gegen Manafort war der erste Schuldspruch im Zusammenhang mit den Untersuchungen von FBI-Sonderermittler Mueller, die Trump immer wieder als politisch motivierte "Hexenjagd" zu diskreditieren versucht. Manafort muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. In der Vergangenheit wollte Trump nicht ausschließen, dass er seinen früheren Wahlkampfmanager begnadigen könnte.