Spaniens Außenminister Josep Borrell hat die EU-Länder zu mehr Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen und einige Länder zu einer Vorreiterrolle aufgefordert. Wenn in der EU nicht alle Staaten füreinander einstehen wollten, müsse "eine kleine Koalition um Deutschland, Frankreich und Spanien vorangehen", sagte Borrell dem Handelsblatt. Die Zahl der Migranten, die nach Spanien einreisen, ist zuletzt deutlich gestiegen – auch wegen der Abschottungspolitik Italiens.

Der spanische Außenminister lobte die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und vor allem ihre Reaktion auf die Entwicklungen in Ungarn im Jahr 2015. "Für mich hat die Bundeskanzlerin schlichtweg die Ehre Europas gerettet", sagte der sozialistische Politiker.

Die von Borrell angestrebte Vorreitergruppe in der EU solle einer Politik der Angst entgegentreten, die rechtspopulistische Regierungen seiner Meinung nach derzeit praktizierten, und eine konstruktivere Lösungen anbieten. Dabei solle es auch um Anreize für Herkunftsländer illegaler Migranten gehen, diese wieder aufzunehmen. Borrell schlug dazu vor, die europäischen Staaten könnten für jeden zurückgeschickten Einwanderer aus demselben Land einen legalen Migranten aufnehmen und diesen ausbilden.

Der spanische Außenminister sprach von einer Art europäisch-afrikanischem Erasmus in Anlehnung an das gleichnamige europäische Studentenaustauschprogramm. Nach der Ausbildung sollten die Menschen dann aber wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren und ihr Wissen dort der heimischen Wirtschaft zur Verfügung stellen. Spanien hat ein ähnliches Abkommen bereits mit Marokko geschlossen und laut Borrell keine Probleme mit Rückführungen dorthin.