Ermittler des UN-Menschenrechtsrats haben gefordert, Myanmars Militärchef Min Aung Hlaing wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen an den Rohingya anzuklagen. Die drei unabhängigen Ermittler aus Indonesien, Sri Lanka und Australien veröffentlichten einen Bericht über das Vorgehen der myanmarischen Sicherheitskräfte gegen die muslimische Minderheit. Darin weisen sie unter anderem Gruppenvergewaltigungen, Folter, Tötung von Kindern und Versklavung nach. Auch seien Hunderte Dörfer in Brand gesteckt worden.

Das Militär von Myanmar geht seit etwa einem Jahr gegen die Rohingya vor. Die Militäraktionen veranlasste etwa 700.000 Rohingya zur Flucht ins benachbarte Bangladesch.

Die Experten der UN machen den Oberbefehlshaber der Streitkräfte sowie fünf weitere Offiziere für die Taten verantwortlich. "Die grausamen Menschenrechtsverletzungen und Misshandlungen, die in den Gliedstaaten Kachin, Rakhine und Shan begangen wurden, schockieren wegen ihrer grauenerregenden Art und Allgegenwärtigkeit", heißt es in ihrem Bericht. "Viele dieser Menschenrechtsverletzungen entsprechen zweifellos den schwersten Verbrechen nach internationalem Gesetz." Neben den sechs im Bericht namentlich genannten Militärchefs kritisieren die UN-Experten auch Regierungschefin Aung San Suu Kyi dafür, das Vorgehen nicht gestoppt zu haben.

Myanmar will nicht kooperieren

Den Ermittlern zufolge erhielt die Regierung des Landes den Bericht vor der Veröffentlichung und antwortete nicht darauf. Myanmar habe die Ermittler nicht ins Land gelassen und nicht mit ihnen kooperiert, teilten diese mit. Die Auswertung sei auf Grundlage von Zeugenaussagen und der Auswertung von Satellitenbildern erfolgt.

Die Ermittler forderten, die Verantwortlichen vor den Internationalen Strafgerichtshof oder alternativ vor ein gesondertes Tribunal zu stellen. Die Regierung Myanmars hat jedoch eine Zusammenarbeit mit dem Gerichtshof in Den Haag abgelehnt – Myanmar habe eine eigene Kommission gebildet, die sich mit den Vorgängen in der Region Rakhine befassen soll. Myanmar ist nicht Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs, aber des UN-Menschenrechtsrats. Die Armee und andere staatliche Einrichtungen des Landes hatten bereits eigene Untersuchungen vorgenommen, behaupteten jedoch, die Streitkräfte hätten nichts Kriminelles getan. 

Die Rohingya werden im buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten diskriminiert. Behörden und auch die buddhistische Bevölkerung betrachten sie als illegale Einwanderer, obwohl viele seit Generationen dort leben.