Noch während des Wahlkampfs stand sie neben ihm auf der Bühne, trug stolz eine rote Jacke mit der Aufschrift Women for Trump, pries dessen Weitsicht und was für ein fantastischer Präsident er sein würde. Jetzt sitzt Omarosa Manigault Newman in den Talkshows der US-Sender, schimpft auf ihren einstigen Mentor Donald Trump, der ein Rassist sei und das amerikanische Volk – so wie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Weißen Haus – jeden Tag aufs Neue belüge.

Für Manigault Newman ist es eine weitere PR-Tour: An diesem Dienstag erscheint ihr Buch Unhinged über ihre Zeit im Weißen Haus, wo sie als Kommunikationsdirektorin im Büro für öffentliche Beteiligung dem neuen US-Präsidenten zuarbeiten sollte. Die Trump-Regierung hatte sie als einzige hochrangige Beraterin mit schwarzer Hautfarbe gefeiert. Zwölf Monate später war es mit dem Job vorbei. Schon kurz danach kursierten Gerüchte, sie habe den West Wing nicht freiwillig verlassen, sondern sei vom neuen Stabschef John Kelly entlassen worden. Es habe Rangeleien gegeben, sie wollte zum Oval Office und sich bei Trump beschweren – und musste schließlich hinausbegleitet werden.

Verifiziert wurden diese Gerüchte nie. Nun ist es ausgerechnet Manigault Newman selbst, die ihren Rausschmiss bestätigte – mit einer brisanten Tonaufnahme, die sie am vergangenen Sonntag während der Sendung Meet the Press öffentlich machte. Der 44-Jährigen zufolge hört man darauf das Entlassungsgespräch zwischen ihr und Kelly, der ihr zu verstehen gibt, dass sie ihm und nicht dem Präsidenten unterstellt sei und deshalb Beschwerden beim Präsidenten keinen Sinn hätten.

In der Sendung rechtfertigt sie sich für den Mitschnitt: sie habe sich selbst schützen wollen in einem Weißen Haus, "in dem jeder lügt". Weiter sagte sie über Trump und seine Pressesprecherin: "Der Präsident belügt das amerikanische Volk. Sarah Huckabee stellt sich vor das Land und lügt jeden Tag". Ihre eigene Zeit in der Regierungszentrale bereue sie, beteuerte Manigault Newman. Sie selbst sei eine Komplizin gewesen und "mitschuldig" daran, dass die Regierung die Nation "betrügt".

Ihren früheren Chef, dem sie vor zehn Jahren als Teilnehmerin seiner Realityshow The Apprentice begegnet war, beschreibt sie als einen Mann, der die Tragweite seines Amts nicht versteht. "Sie täuschen die Nation weiter darüber, wie zurückgeblieben er geistig ist", sagte sie über Trump und seine Mitarbeiter, "wie schwer es ihm fällt, komplexe Informationen zu verarbeiten. Wie wenig er mit den wichtigsten Entscheidungen befasst ist, die unser Land betreffen. Ich war mitschuldig und das bedauere ich."

Am Montag dann legte sie nach und veröffentlichte eine weitere Tonaufnahme von einem vertraulichen Gespräch mit dem Präsidenten und zitierte eine Passage aus ihrem Buch, in dem sie schreibt, sie habe gehört, dass es Tonbänder mit rassistischen Sprüchen Trumps gibt. Beweise legte sie nicht vor, doch die Fehde mit dem Präsidenten war eröffnet: In einer Reihe von Tweets empörte sich Trump über seine frühere Mitarbeiterin.

Manigault Newman sei verrückt, geistesgestört, verstört und verwirrt, schrieb der US-Präsident. Dreimal habe er sie in seiner Castingshow entlassen – nun passiere ihr dies eben zum letzten Mal. "Sie hat es nicht geschafft und wird es niemals schaffen", twitterte er. Mit Tränen in den Augen habe sie ihn um einen Job angebettelt, sei im Weißen Haus aber gehasst worden. Dann, so schreibt es Trump in einem weiteren Tweet, habe ihm Stabschef Kelly gesagt, Manigault Newman sei eine Verliererin und mache nur Probleme. "Ich habe gesagt, er soll das in Ordnung bringen, wenn möglich, weil sie nur GROßARTIGE Dinge über mich gesagt hat – bis sie gefeuert wurde."

Tatsächlich zweifeln viele, auch Trump-kritische Medien, an der Glaubwürdigkeit der Ex-Kommunikationsdirektorin und unterstellen der als umtriebige Geschäftsfrau beschriebenen 44-Jährigen vor allem Kapital aus ihren Trump-Beschimpfungen ziehen zu wollen. Mit schmutzigen Interna aus dem Weißen Haus des einstigen New Yorker Immobilientycoons lasse sich eben Geld verdienen. Der Autor Michael Wolff (Fire and Fury), der von Trump entlassene FBI-Chef James Comey (A Higher Loyalty) und die Ikone des US-Enthüllungsjournalismus Bob Woodward – untrennbar mit dem Watergate-Skandal verbunden und ab September mit Fear auf dem Markt der Anti-Trump-Bücher – haben es vorgemacht.

Buchvorstellung - Michael Wolff im Gespräch mit Josef Joffe Michael Wolff spricht mit Josef Joffe über sein Buch „Feuer und Zorn“, das den Zustand der amerikanischen Politik unter Präsident Trump aus nächster Nähe beschreibt. © Foto: Felix Matthies

Abseits persönlicher Vorhaltungen muss Manigault Newman eventuell auch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. In einer ersten Reaktion sprach Präsidentensprecherin Sanders davon, dass die Nationale Sicherheit des Landes betroffen sei. Schließlich sei es verboten, elektronische Geräte in den Situation Room zu schmuggeln und Gespräche heimlich mitzuschneiden. "Und dann damit im nationalen Fernsehen zu prahlen zeigt einen Mangel an Charakter und Integrität dieser verärgerten ehemaligen Mitarbeiterin des Weißen Hauses", sagte Sanders.

Ihre einstige Kollegin konterte dann ganz besonders perfide: Sie werde, so offenbarte es Manigault Newman in der Today Show, mit dem Sonderermittler in der Russlandaffäre, Robert Mueller, zusammenarbeiten. Sie sei bereits von Muellers Büro kontaktiert worden, erzählt sie und fügt hinzu: "Wenn sein Büro erneut anruft, werde ich alles mit ihnen teilen, was sie wollen."