US-Präsident Donald Trump schließt eine Begnadigung seines früheren Wahlkampfleiters Paul Manafort nicht aus. Dies soll er in einem Interview mit dem Sender Fox News deutlich gemacht haben, wie die Fox-Moderatorin Ainsley Earhardt ihrerseits in einem Interview mitteilte. "Ja, er zieht es in Betracht", sagte sie in einer Sendung zum Moderator Sean Hannity. "Ich denke, er fühlt sich schlecht wegen Manafort. Sie waren Freunde", sagte die Journalistin.

Von dem Interview waren zu diesem Zeitpunkt nur Auszüge bekannt. Demnach antwortet Trump nicht direkt auf die Frage, ob er Manafort begnadigen will. Stattdessen lobte er seinen früheren Wahlkampfleiter für seine Arbeit. Jeder, der als Lobbyist in Washington arbeite, habe genau das gemacht, was Manafort tat, sagte der Präsident.

Paul Manafort wurde diese Woche vor einem Bundesgericht in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia von einer Geschworenenjury in acht von insgesamt 18 Anklagepunkten wegen Steuer- und Bankenbetrugs schuldig gesprochen. In den übrigen zehn Punkten konnte sich die Jury nicht einigen. Manafort, der zuvor auf nicht schuldig plädiert hatte, droht nun eine lange Haftstrafe – er kann bis zu 80 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Berater für prorussische Politiker

Dem 69-Jährigen wurde zur Last gelegt, 16 Millionen Dollar vor den Steuerbehörden versteckt zu haben, die er als Berater von prorussischen Politikern in der Ukraine verdient hatte. Um seinen opulenten Lebensstil zu finanzieren, soll er später Banken belogen haben, um Kredite im Umfang von 20 Millionen Dollar zu bekommen.

Schwer belastet wurde Manafort in dem Prozess durch seinen langjährigen Mitarbeiter Rick Gates, der angab, zusammen mit seinem Chef 15 Auslandskonten betrieben zu haben, von denen er auf dessen Anweisung hin Geld an Manafort geschickt hatte. Dies sei als Darlehen anstatt als Einkommen deklariert gewesen, um Steuern zu hinterziehen.

Von Juni bis August 2016 leitete Manafort den Wahlkampf der Republikaner. Der Lobbyist und Politikberater war dabei unter anderem für den Nominierungsparteitag zuständig, bei dem Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Partei ernannt worden war. Die meisten Vorwürfe gegen Manafort fallen jedoch in die Zeit davor.

Trump hatte Manafort bereits direkt nach dem Urteil des Gerichts einen "tapferen Mann" genannt, der anders als sein Ex-Anwalt Michael Cohen dem Druck der Justiz standgehalten habe. Cohen hatte sich vor Gericht mehrerer Verbrechen schuldig bekannt und angegeben, von Trump angewiesen worden zu sein.

Trump fürchtet keine Amtsenthebung

Für Trump ist die Kooperation Cohens mit der Justiz brisant, weil der Anwalt auch zu den Ermittlungen zur Russland-Affäre aussagen und den Präsidenten dadurch belasten könnte. Die Affäre dreht sich um die mutmaßlichen russischen Hackerangriffe gegen das Umfeld der Trump-Rivalin Hillary Clinton im Wahlkampf. Sollte herauskommen, dass Trump selbst in solche illegalen Kontakte involviert war, dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Amtsenthebungsverfahrens wachsen. Allerdings sind bislang keine Informationen bekannt, wonach es konkrete Hinweise auf eine direkte Verwicklung Trumps geben könnte. Trump selbst nennt alle Untersuchungen dazu eine "Hexenjagd".

Trump zufolge würde die US-Wirtschaft im Falle seiner Amtsenthebung "zusammenbrechen". Er sagte in dem Fernsehinterview mit Fox News: "Wenn ich je des Amtes enthoben werden sollte, würde der Markt zusammenbrechen. Ich denke, alle wären dann sehr arm." Trump hatte auf eine Frage nach seinen zunehmenden juristischen Schwierigkeiten geantwortet, nachdem ihn Cohen schwer belastet hatte.