Der ehemalige Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, ist vor einem Bundesgericht in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia von einer Geschworenenjury in acht von insgesamt 18 Anklagepunkten wegen Steuer- und Bankenbetrugs schuldig gesprochen worden. In den übrigen zehn Punkten konnte sich die Jury nicht einigen. Manafort, der zuvor auf nicht schuldig plädiert hatte, droht nun eine lange Haftstrafe – er kann mit bis zu 80 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Dem 69-Jährigen wurde zur Last gelegt, 16 Millionen Dollar vor den Steuerbehörden versteckt zu haben, die er als Berater von prorussischen Politikern in der Ukraine verdient hatte. Um seinen opulenten Lebensstil zu finanzieren, soll er später Banken belogen haben, um Kredite im Umfang von 20 Millionen Dollar zu bekommen. Schwer belastet wurde Manafort in dem Prozess durch seinen langjährigen Mitarbeiter Rick Gates, der angab, zusammen mit seinem Chef 15 Auslandskonten betrieben zu haben, von denen er auf dessen Anweisung hin Geld an Manafort geschickt hatte. Dies sei als Darlehen anstatt als Einkommen deklariert gewesen, um Steuern zu hinterziehen.

Von Juni bis August 2016 leitete Manafort den Wahlkampf des Republikaners. Der Lobbyist und Politikberater war dabei unter anderem für den Nominierungsparteitag zuständig, bei dem Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Partei ernannt worden war. Die meisten Vorwürfe gegen Manafort fallen jedoch in die Zeit davor.

Der Prozess geht auch auf die Untersuchungen des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller zurück, der einer mutmaßlichen russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahl nachgeht. Allerdings stand der Prozess in Alexandria damit nicht in direktem Zusammenhang. Die Vorwürfe gegen Manafort galten explizit nicht seiner Tätigkeit als Trumps Wahlkampfmanager und nicht den von Mueller untersuchten Vorwurf illegaler Absprachen von Trumps Wahlkampfteam mit der Regierung in Moskau.

Der Präsident äußerte nach dem Schuldspruch Bedauern: "Ich bin sehr traurig darüber", sagte Donald Trump vor einem Auftritt in West Virginia. Das Urteil sei eine "Schande", es habe aber nichts mit ihm und "nichts mit geheimen Absprachen zu tun", fügte er hinzu. Der Schuldspruch sei vielmehr Teil der "Hexenjagd" von Sonderermittler Mueller und dessen Team. Manafort sei "ein guter Mann", sagte Trump und versuchte sich zugleich von seinem Ex-Wahlkampfchef zu distanzieren: Dieser habe "für viele, viele Leute gearbeitet".

Manaforts Anwalt Kevin Downing kündigte nach dem Verfahren an, sein Mandant prüfe nun seine Handlungsoptionen. Wann das Strafmaß gegen ihn verkündet wird, ist noch offen. Rechtsexperten schätzen, dass der einstige Lobbyist eine Haftstrafe von rund zehn Jahren bekommen wird.

In einer ersten Reaktion erklärten die führenden Demokraten in den Geheimdienstausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses, das Urteil gegen Manafort zeige, dass es sich bei Muellers Russland-Ermittlung keineswegs um eine "Hexenjagd" handelt. In ihrer Stellungnahme bezogen sie sich auch auf den Fall Michael Cohen, der zeitgleich in New York City verhandelt wurde. Der Ex-Anwalt von Trump bekannte sich dort der illegalen Wahlkampffinanzierung, des Bankbetrugs und der Steuerhinterziehung schuldig und belastete den Präsidenten schwer: Dieser habe ihn während des Präsidentschaftswahlkampfs angestiftet, zwei Frauen, darunter auch der Pornodarstellerin Stormy Daniels, Schweigegeld gezahlt zu haben.