Die türkische Zentralbank hat den Geldinstituten des Landes eine ausreichende Liquditätsversorgung in der aktuellen Krise der Lira zugesagt. Die Notenbank teilte mit, sie werde den Banken jedwede Liquidität zur Verfügung stellen, die sie benötigten. Mit allen ihren aktuellen Entscheidungen würden dem Finanzmarkt rund zehn Milliarden Lira, sechs Milliarden Dollar und drei Milliarden Dollar an Goldguthaben als Liquidität zugeführt.

Die Notenbank kündigte auch an, sie werde den Markt und die Preisbildung genau beobachten und alle notwendigen Schritte ergreifen, um die Finanzstabilität zu sichern. Nach der Erklärung zog die Lira zum Dollar an.

Die türkische Währung steht seit Jahresbeginn unter Druck. Ursachen dafür sind Sorgen über den Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf die Wirtschaft, seine Forderung nach niedrigen Zinsen trotz der hohen Inflation und nun auch der Wirtschaftsstreit zwischen der Türkei und den USA.

Neue US-Stahlzölle in Kraft

Im Streit mit den USA hat der türkische Präsident die Unternehmen des Landes aufgefordert, sich von der erschwerten Wirtschaftslage nicht beeinflussen zu lassen. Es sei nicht nur die Pflicht der Regierung, die Nation am Leben zu erhalten – "es ist auch die Pflicht der Industriellen und der Händler", sagte Erdoğan. An den Börsen blieb die türkische Währung weiter unter Druck.

Am Montagmorgen traten neue US-Zölle auf Stahl in Kraft, weswegen der Wert der Lira im asiatischen Handel im Vergleich zum Euro und zum US-Dollar zeitweise erneut zweistellig sank. Erstmals mussten mehr als sieben türkische Lira für einen US-Dollar oder mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden. Damit setzte sich der Kursverfall vom Freitag fort. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust der Lira mehr als 45 Prozent.

Stahl, der aus der Türkei in die USA geliefert wird, wird mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bislang 25 Prozent belegt. US-Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung der Zölle auf Stahl am Freitag per Tweet angekündigt und angeordnet. Später sollen auch Strafzölle auf Aluminium folgen. 

Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums exportierte das Land im vergangenen Jahr Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar in die USA – was laut der Behörde einem Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren entsprach.

Erdoğan warnte türkische Firmen davor, Bankrott anzumelden: "Wenn ihr das macht, begeht ihr einen Fehler!" Er verlangte außerdem, dass die türkischen Industriellen keine Fremdwährungen ankaufen oder abheben sollen – dies könnte die türkischen Banken noch mehr unter Druck setzen. Der Staatschef hatte zuvor davon gesprochen, die USA führten einen Wirtschaftskrieg gegen die Türkei.

Es geht um zwei Geistliche

Positiv wirkte sich auch die Ankündigung des türkischen Finanzministers Berat Albayrak aus, er werde einen Aktionsplan für die Banken und die Realwirtschaft vorlegen. Die Institutionen würden am Montag die notwendigen Maßnahmen ergreifen und mit den Märkten kommunizieren, sagte Albayrak in einem Interview der Zeitung Hürriyet. Sie richteten sich auch an kleine und mittlere Unternehmen, die von Währungsschwankungen am stärksten betroffen seien. Der Aktionsplan und die Maßnahmen seien vorbereitet und fertig. Details nannte er noch nicht.

Im Zentrum des Streits zwischen den USA und der Türkei stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Die Regierung in Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdoğan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.