Italien - Geflüchtete verlassen Rettungsschiff »Diciotti« Mehrere Tage lang saßen 137 Migranten auf dem Rettungsschiff »Diciotti« fest. Die italienische Justiz nahm deshalb Ermittlungen gegen Innenminister Matteo Salvini auf. © Foto: REUTERS/Antonio Parrinello

Die 137 Migranten, die seit Tagen auf dem Rettungsschiff Diciotti festsitzen, sind in der Nacht zu Sonntag von Bord gegangen. Das Schiff liegt im Hafen von Catania an der Ostküste Siziliens. Die Geretteten wurden nach Messina gebracht. Von dort aus sollen etwa 100 von ihnen in die Obhut der katholischen Kirche in Italien gegeben werden. Albanien hat sich bereit erklärt, 20 Migranten aufzunehmen. Zwischen 20 und 25 sollen nach Irland kommen.

Das Schiff der italienischen Küstenwache hatte am 16. August insgesamt 190 Bootsflüchtlinge an Bord genommen. Die Regierung in Rom verweigerte dem Schiff zunächst die Einfahrt in einen italienischen Hafen. Nur wenige der Flüchtlinge durften das Schiff verlassen und wurden medizinisch versorgt. Am Dienstag hatte das Innenministerium der Diciotti dann die Erlaubnis erteilt, im sizilianischen Catania anzulegen. Den Migranten wurde die Einreise jedoch weiterhin nicht gestattet. 29 Minderjährige durften das Schiff am Mittwoch verlassen.

13 Migranten kommen ins Krankenhaus

16 Migranten aus der Gruppe wurde aus medizinischen Gründen das Verlassen des Rettungsschiffs erlaubt. Nach einem Besuch von Vertretern des Gesundheitsministeriums und des Roten Kreuzes empfahlen die Ärzte, dass elf Frauen und fünf Männer von Bord gehen sollten. Einige Frauen weigerten sich aber später, weil sie bei ihren Verwandten bleiben wollten. Deshalb wurden nur 13 Flüchtlinge ins Krankenhaus gebracht. Unter den Migranten soll es Medienberichten zufolge mehrere Tuberkulose-Verdachtsfälle gegeben haben.

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini wollte zuerst auf europäischer Ebene geklärt haben, wie die Menschen auf andere EU-Staaten verteilt werden, bevor er sie von Bord gehen ließ. Italiens Regierung argumentierte, das Land sei mit der Aufnahme der Flüchtlinge vom Mittelmeer überfordert. Verhandlungen in Brüssel in dem Fall brachten keinen Durchbruch. Am Samstag wurde fast zeitgleich mit der Aufhebung der Blockade bekannt, dass gegen den Minister und Vizepremier unter anderem wegen Freiheitsberaubung ermittelt wird.