UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein hat vor einem Zusammenbruch der Vereinten Nationen aufgrund der ungleichen Machtverhältnisse im UN-Sicherheitsrat gewarnt. Die fünf Vetomächte hätten bei den UN zu viel Einfluss, kritisierte Al-Hussein. Es gebe unter einigen Mitgliedsstaaten das Gefühl, dass die ständigen Ratsmitglieder China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA "zu viel des Betriebs" leiteten.

Al-Hussein bezog sich auf das Recht der fünf Länder, gegen Resolutionen ihr Veto einzulegen, die zum Beispiel mutmaßliche Verstöße im syrischen Bürgerkrieg oder mögliche Menschenrechtsverletzungen von israelischen Soldaten gegen Palästinenser betreffen. "Wenn sie kooperieren, können sich die Dinge bewegen; wenn sie es nicht tun, bleibt alles stecken", sagte Al-Hussein, dessen Amtszeit als UN-Hochkommissar für Menschenrechte am 31. August endet, bei einem Gespräch mit Journalisten in seinem Büro in Genf. Dann spiele "die Organisation im Allgemeinen" kaum eine Bedeutung bei der Lösung von Konflikten. Das müsse sich ändern: "Ansonsten kann die Organisation auch zusammenbrechen. Das wäre ein hoher Preis für die internationale Gemeinschaft."

Außerdem wiederholte Al-Hussein seine Kritik an den regelmäßigen Verbalattacken von US-Präsident Donald Trump gegen Journalistinnen und Journalisten. "Eine oder zwei Generationen rücksichtsloser Politiker können jeden einzelnen Staat zerstören", sagte er. "Das gilt auch für die Vereinigten Staaten."