Der argentinische Senat hat gegen die Liberalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen gestimmt. Im Juni hatte die zweite Kammer des Parlaments, das Abgeordnetenhaus, für das Gesetz gestimmt, das eine Abtreibung in den ersten 14 Wochen erlauben sollte. Der Ausgang der Abstimmung im Senat war lange offen, schließlich stimmten 38 Senatorinnen und Senatoren dagegen, 31 dafür.

Zehntausende Menschen hatten sich am Mittwoch auf den Straßen um das argentinische Parlament versammelt, um teils für und teils gegen die Legalisierung von Abtreibung zu demonstrieren. Der Abstimmung im Abgeordnetenhaus waren mehr als 22 Stunden Debatte vorangegangen, schließlich stimmten die Abgeordneten – anders als nun der Senat – knapp für das Vorhaben. Argentiniens konservativer Präsident Mauricio Macri hatte zuvor den Fraktionszwang der Abgeordneten seines Regierungsbündnisses Cambiemos freigegeben.

Gegner und Befürworter des Vorstoßes hatten in den vergangenen Wochen ihre jeweiligen Lager mobilisiert, um mit Massendemonstrationen für ihre Positionen zu werben. Papst Franziskus, selbst Argentinier, hatte einen Brief an die Bischöfe geschickt: Sie sollen "Leben und Gerechtigkeit" verteidigen. 2010 legalisierte Argentinien ebenfalls gegen den heftigen Widerstand der Kirche als erstes Land Lateinamerikas die gleichgeschlechtliche Ehe. Ähnliche Initiativen waren in der Regierungszeit der linksgerichteten Präsidentin Cristina Kirchner (2007–2015) immer wieder an einer fehlenden Mehrheit im Parlament gescheitert.

In Argentinien ist seit 1921 wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung oder bei Lebensgefahr der Mutter legal. Ein Schwangerschaftsabbruch aus anderen Gründen ist in Lateinamerika nur in Uruguay, Kuba und Mexiko-Stadt legal. Nach Schätzungen des argentinischen Gesundheitsministeriums werden jährlich in dem Land über 350.000 illegale Abtreibungen durchgeführt. Rund 50.000 Frauen würden jedes Jahr nach diesen Eingriffen in Krankenhäuser eingeliefert.