Das private Rettungsschiff Aquarius sucht erneut mit geretteten Menschen an Bord einen sicheren Hafen. Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée, die das Schiff gemeinsam betreiben, forderten in einer gemeinsamen Mitteilung die EU-Staaten auf, der Aquarius einen Hafen zuzuweisen. An Bord des Schiffes sind den Angaben zufolge 141 Menschen, die die Besatzung am Freitag in zwei Einsätzen aus dem Mittelmeer in der libyschen Such- und Rettungszone gerettet hat.

Die Zone schließt auch internationale Gewässer vor der libyschen Seegrenze mit ein. Darin sind zwar die libyschen Behörden für die Koordinierung von Rettungen zuständig. Doch die Leitstelle in der Hauptstadt Tripolis habe dem Schiff mitgeteilt, dass sie ihm keinen sicheren Hafen zuweisen könne, so die Betreiber der Aquarius. Deshalb fahre das Schiff nun nach Norden und kontaktiere andere Seenotleitstellen, um einen sicheren Hafen anlaufen zu können.

Die libysche SAR-Zone im Mittelmeer

An Bord des Schiffes befinden sich laut den Betreibern unter anderem 67 unbegleitete Minderjährige. Mehr als 70 Prozent der Geretteten stammten aus Somalia und Eritrea. Ihr medizinischer Zustand sei stabil.

"Grundprinzip der Seenotrettung ist bedroht"

Die Geretteten hätten außerdem der Crew berichtet, dass sie vor der Rettung durch die Aquarius fünf anderen Schiffen begegnet seien, die nicht geholfen hätten. "Das Grundprinzip, Hilfe suchende Menschen in Seenot zu retten, ist bedroht", sagte Aloys Vimard, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. Das Risiko, dass einem Schiff wegen aus Seenot geretteter Menschen ein sicherer Hafen verwehrt werde, könne Kapitäne davon abhalten, Menschen auf See zu helfen.

Im Juni hatten sich Malta und Italien geweigert, die Aquarius in ihre Häfen einlaufen zu lassen. Das Schiff, an dessen Bord sich 600 Flüchtlinge befanden, durfte schließlich im spanischen Valencia anlegen. Auch nach der Fortsetzung des Einsatzes ist unklar, wohin gerettete Menschen gebracht werden könnten.

Die Aquarius hat nach Angaben von SOS Méditerranée seit 2016 mehr als 29.300 Menschen aus Seenot gerettet. Sie ist eines der wenigen privaten Rettungsschiffe, die noch auf dem Mittelmeer verblieben sind.