Die Betreiber des Rettungsschiffs Aquarius haben alle europäischen Regierungen aufgerufen, einen sicheren Hafen für die 141 Migranten an Bord zu finden. Seit Freitag ist das Schiff der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée im Mittelmeer unterwegs. Es befindet sich derzeit zwischen Malta und der italienischen Insel Lampedusa. Beide EU-Länder haben der Aquarius das Anlegen untersagt. Spanischen Medienberichten zufolge wird auch die Regierung von Pedro Sánchez so entscheiden. Spanien sei nicht der nächste Hafen für das Schiff – und folglich auch nicht der sicherste Hafen, zitieren Medien aus Regierungskreisen in Madrid.

Die italienische Regierung möchte indes, dass sich Großbritannien um die Geflüchteten an Bord der Aquarius kümmert. Das Rettungsschiff fahre unter der Flagge des britischen Überseegebiets Gibraltar, twitterte Italiens Minister für Infrastruktur und Verkehr Danilo Toninelli. Somit müsse die britische Regierung "die Verantwortung für den Schutz der Schiffbrüchigen übernehmen". Gibraltar liegt an der Südküste Spaniens.

Im Juni hatten sich Italien und auch Malta zum ersten Mal geweigert, die Aquarius in ihre Häfen einlaufen zu lassen. Das Schiff, an dessen Bord sich damals 600 Flüchtlinge befanden, konnte schließlich im spanischen Valencia anlegen. Die italienische Regierung kündigte anschließend an, überhaupt keine Bootsflüchtlinge mehr aufnehmen zu wollen.

Hilfsorganisation sieht Seenotrettung in Gefahr

"Das Grundprinzip, Menschen in Seenot zu retten, ist bedroht", sagte Aloys Vimard, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Schiffe sind nämlich unter Umständen nicht mehr bereit, auf die Hilferufe zu reagieren, weil das Risiko zu hoch ist, dass ihnen ein nächstgelegener, sicherer Hafen verwehrt wird und sie alleingelassen werden." Menschen an Bord hätten der Besatzung berichtet, sie hätten vor ihrer Rettung durch die Aquarius fünf verschiedene Schiffe in der Nähe gesehen, die keine Hilfe geleistet hätten.

Die Aquarius hat nach Angaben von SOS Méditerranée seit 2016 mehr als 29.300 Menschen aus Seenot gerettet. Man habe nun größere Nahrungsvorräte an Bord und sei so darauf vorbereitet, dass sich das Anlaufen eines Hafens verzögert, teilte die Organisation mit. Außerdem habe man eine Kühlkammer eingerichtet, falls Tote geborgen werden müssten.

Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Immer wieder sinken Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Was bewegt "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch, Menschen aus dem Meer zu retten? Ein Beitrag aus dem Videoarchiv © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty