Die russische Regierung hat die neuen Wirtschaftssanktionen der USA wegen des Giftanschlags auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal als "absolut unfreundlich", kategorisch inakzeptabel und komplett illegal kritisiert. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte: "Russland hatte und hat damit nichts zu tun." Die neuen Sanktionen verstießen aus russischer Sicht gegen internationales Recht. Bevor man in Moskau nun aber über Gegenmaßnahmen nachdenke, versuche die Regierung erst einmal herauszufinden, um welche Strafmaßnahmen es genau gehe, sagte Peskow nach Angaben der Agentur Interfax.

Der Ex-Agent Skripal und seine Tochter Julija hatten im März in Großbritannien eine Vergiftung mit dem in der Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok überlebt. Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Viele westliche Länder – darunter die USA, Deutschland und Frankreich – standen Großbritannien bei und verwiesen Ende Mai in einer konzertierten Aktion russische Diplomaten des Landes. Die Regierung in Moskau wies ähnlich viele Diplomaten aus. Sie beteuerte stets, nicht für den Mordanschlag auf die Skripals verantwortlich zu sein.

Nun ging die US-Regierung am Mittwoch noch einen Schritt weiter: Das Außenministerium hatte mitgeteilt, die russische Regierung habe "chemische oder biologische Waffen in Verstoß gegen internationales Recht eingesetzt oder tödliche chemische oder biologische Waffen gegen ihre eigenen Staatsbürger benutzt". Deshalb würden Sanktionen gegen Russland verhängt. Sie sollten am 22. August in Kraft treten. Weitere Details wurden noch nicht genannt.

Ein russischer Abgeordneter brachte unterdessen als mögliche Gegenreaktion die Idee ins Gespräch, Exportbeschränkungen auf Raketentriebwerke des Typs RD-180 zu verhängen. Die Triebwerke werden etwa in die Atlas V-Trägerraketen der United Launch Alliance eingebaut, ein Gemeinschaftsunternehmen der US-Konzerne Boeing und Lockheed Martin.

Kurseinbrüche an der Moskauer Börse

An der Moskauer Börse brachen die Kurse großer Staatsunternehmen auf die Ankündigung ein. So gab die Aktie der Fluggesellschaft Aeroflot um zwölf Prozent nach. Stark betroffen waren auch die Großbanken Sberbank und VTB. Der Rubel rutschte auf einen Zwei-Jahres-Tiefpunkt.

Kremlsprecher Peskow sagte, das russische Finanzsystem habe sich bereits bei früheren Sanktionen als stabil und gut geführt erwiesen. Auch Finanzminister Anton Siluanow sagte, die Regierung und die Zentralbank verfügten über alle notwendigen Werkzeuge, um die Finanzstabilität zu wahren. Man stehe bereit, sie einzusetzen.

Weiter sagte Peskow, die Regierung in Washington sei und bleibe ein unzuverlässiges Gegenüber in der internationalen Politik. Der Kremlsprecher nannte die Sanktionen einen Verstoß gegen internationales Recht.