Menschenrechtler haben von brutalen Übergriffen auf Oppositionelle in Simbabwe berichtet. Die Regierung des laut offiziellen Wahlergebnissen im Amt bestätigten Präsidenten Emmerson Mnangagwa sei in den vergangenen Tagen gewaltsam gegen Unterstützer seines Konkurrenten Nelson Chamisa von der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) vorgegangen, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Kräfte von Polizei und Militär sowie nicht identifizierte Bewaffnete hätten in den vergangenen Tagen Dutzende Mitglieder sowie Anhängerinnen und Anhänger der Opposition in der Hauptstadt Harare verprügelt und schikaniert, heißt es darin. Damit sei der Anspruch der Regierung auf Achtung demokratischer Werte und Menschenrechte hinfällig. Die Menschenrechtsorganisation forderte Präsident Mnangagwa auf, die Gewalt zu beenden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Rechtsstaatlichkeit im Land unverzüglich wiederherzustellen.

"Es wird jeden Tag gefährlicher"

Nach der Wahl vom 30. Juli war es in Simbabwes Hauptstadt Harare zu schweren Ausschreitungen gekommen. Oppositionsanhänger steckten Busse in Brand und errichteten Barrikaden. Die Polizei reagierte mit Wasserwerfern und Tränengas, während die Armee laut simbabwischen Menschenrechtlern "willkürlich" auf Passanten schoss. Mindestens sechs Menschen kamen nach Polizeiangaben ums Leben.

Nach Angaben der Wahlbehörde hatte Präsident Mnangagwa von der Regierungspartei Zanu-PF die Wahl im ersten Durchgang mit 50,8 Prozent der Stimmen gewonnen. Oppositionsführer Chamisa erhielt demnach 44,3 Prozent. Die Opposition bezweifelt, dass dies der Wahrheit entspricht und will das Wahlergebnis nicht anerkennen. Amtsinhaber Mnangagwa warf ihr vor, Unruhen zu fördern.

Nun sieht sich die Opposition in immer größerer Bedrängnis, wie auch Nkululeko Sibanda, Sprecher von Oppositionsführer Chamisa beklagt. "Es wird jeden Tag gefährlicher", sagte er und spricht von "Einschüchterung". Sicherheitskräfte würden nach 4.000 Oppositionellen fahnden, Polizisten in Häuser eindringen und Bewohner an unbekannte Orte verschleppen. Sibanda geht davon aus, dass derzeit etwa 50 Aktivistinnen und Aktivisten der Opposition vermisst werden. So sei etwa eine Frau von der Polizei festgenommen worden, nachdem sie Präsident Mnangagwa bei Facebook Wahlbetrug unterstellt hatte.

Hoffen auf neue Investoren

Die Wahl vom 30. Juli war die erste Präsidentschaftswahl in Simbabwe nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Robert Mugabe und gilt als erste freie Abstimmung seit 1980. Mugabe stand 37 Jahre an der Spitze des südafrikanischen Landes. Seine Regierungszeit war gezeichnet von Menschenrechtsvergehen und Misswirtschaft. In dem einst reichsten Land im Süden Afrikas, das jahrzehntelang als Kornkammer des Kontinents galt, liegt die Arbeitslosigkeit inzwischen bei mehr als 80 Prozent.

Mugabes Nachfolger inszenierte sich vor der Wahl staatsmännisch und versprach Reformen. Inzwischen ist die Skepsis indes gewachsen, galt Mnangagwa ohnehin lange als loyaler Gefolgsmann Mugabes und war in seiner Funktion als Geheimdienstminister in der Bevölkerung für seine Skrupellosigkeit gefürchtet. Umso wichtiger ist es für ihn, dass die internationale Gemeinschaft die Wahl als frei und fair anerkennt. Ende 2017 hatte er versprochen, Simbabwe für Investoren aus dem Ausland zu öffnen, und hofft so auf die Aufhebung der Sanktionen, die gegen sein Land wegen Menschenrechtsverstößen und Unterdrückung der Opposition einst verhängt worden waren.