Das spanische Kabinett hat ein Dekret beschlossen, mit dem die Umbettung der Gebeine des faschistischen Diktators Francisco Franco (1892–1975) erleichtert werden soll. Dieses sieht die Änderung eines bestehenden Gesetzes vor, um die Pläne zu legalisieren und juristischen Widerstand vor allem der Familie Franco aus dem Weg zu räumen. Allerdings muss das Dekret noch vom Parlament verabschiedet werden. Dies soll voraussichtlich im September geschehen.

Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez hatte sich bereits kurz nach seiner Amtsübernahme im Juni für eine baldige Exhumierung Francos ausgesprochen. Der ehemalige Diktator liegt seit mehr als 40 Jahren in einem riesigen Mausoleum im Valle de los Caídos, dem Tal der Gefallenen, nordöstlich von Madrid begraben. Die Anlage mit ihrem 155 Meter hohen Kreuz gilt bis heute als Pilgerstätte für seine Anhängerinnen und Anhänger sowie Rechtsextreme.

Vizeregierungschefin Carmen Calvo sagte nach der Kabinettssitzung: "Wir tun dies, weil wir an die Zukunft denken und an die jüngeren Menschen, damit diese bessere ethische und moralische Bedingungen vorfinden und so etwas nie wieder passiert." Das Dekret solle für ein Jahr gelten. Damit habe man genügend Zeit, um die Umbettung durchzuführen.

Das Vorhaben war bisher an juristischen Fragen und dem Widerstand der Familie gescheitert. Sowohl die konservative Volkspartei (PP) als auch die liberalen Ciudadanos haben angekündigt, das Dekret im Parlament nicht zu unterstützen. PP-Chef Pablo Casado nannte es "unverantwortlich, bereits geheilte Wunden wieder aufzureißen". Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Sánchez mithilfe kleinerer Parteien die nötige einfache Mehrheit erhält.

Die Debatte um das Mausoleum, das von 1940 bis 1959 von 20.000 republikanischen Zwangsarbeitern in den Fels getrieben wurde, läuft seit Jahrzehnten. Neben Franco sind hier mehr als 30.000 Kämpfer und Soldaten begraben, die auf beiden Seiten des Spanischen Bürgerkriegs (1936–39) gefallen waren.

Sánchez plant Gedenkstätte für Opfer des Faschismus

Spaniens Regierung will aus aus dem Mausoleum eine Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus machen. Sánchez hatte die Umwidmung der Gedenkstätte vor allem damit begründet, dass Spanien als "gefestigte und europäische Demokratie" sich keine Symbole leisten könne, welche die Bevölkerung spalteten. Ein Mausoleum für einen Diktator sei etwa "in Deutschland oder Italien undenkbar". Der Fraktionschef von Sánchez' Sozialisten im Senat, Ander Gil, sprach am Freitag von einer "demokratischen Anomalie". Es sei "an der Zeit, mit Dingen solcher Art Schluss zu machen".

Francos sterbliche Überreste sollen seiner Familie übergeben werden, um sie in deren Familiengrab auf dem Pardo-Friedhof bei Madrid beizusetzen.