Für den Wiederaufbau in Syrien will Saudi-Arabien Hundert Millionen Dollar (88 Millionen Euro) zur Verfügung stellen. Das Geld soll Gebieten im Nordosten Syriens zugutekommen, die nicht von der syrischen Regierung kontrolliert werden, teilte die saudi-arabische Botschaft in Washington mit. Diese Gebiete werden von arabisch-kurdischen Truppen kontrolliert, die wiederum von der internationalen Militärkoalition gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) unter Führung der USA unterstützt werden.

Die Regierung von Syriens Machthaber Baschar al-Assad verurteilte die finanzielle Unterstützung der Rebellengebiete als "moralisch inakzeptabel", wie die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Sie wirft Saudi-Arabien die Unterstützung von Terroristen vor.

Geld soll Rakka wiederbeleben

Saudi-Arabien hob hervor, es handele sich um die bislang größte Hilfszahlung für die genannten Gebiete in Syrien. Die Summe sei nach einer entsprechenden Zusage bei einer internationalen Konferenz Mitte Juli in Brüssel freigegeben worden. Dabei sagten auch andere Länder Hilfsgelder zu. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen 50 Millionen Dollar geben, und auch Deutschland, Frankreich, Italien, Dänemark und Taiwan sicherten Unterstützung zu, sagte Brett McGurk, der Sondergesandte der US-Regierung für die internationale Anti-IS-Koalition.

Das Geld werde "eine entscheidende Rolle spielen bei den Bemühungen der internationalen Koalition, die Gemeinden, insbesondere in Rakka, wiederzubeleben, die von den IS-Terroristen verwüstet wurden", heißt es aus der saudi-arabischen Botschaft. Es solle in Projekte in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Strom- und Trinkwasserversorgung sowie Erziehung und Verkehr fließen. Auf diese Weise werde die Hilfszahlung "Leben retten, die Rückkehr von vertriebenen Syrern erleichtern und dazu beitragen, sicherzustellen, dass der IS Syrien und seine Nachbarn nicht wieder bedrohen oder Angriffe gegen die internationale Gemeinschaft planen kann".

USA streicht Zahlungen

Die US-Regierung kündigte derweil an, eine Zahlung von 230 Millionen Dollar für Stabilisierungsprojekte in Syrien auszusetzen. Die Summe werde mehr als ausgeglichen durch zusätzliche Zusagen von Verbündeten der USA, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert. US-Außenminister Mike Pompeo habe eine Umwidmung der ursprünglich für Syrien vorgesehenen Summe angeordnet. Das eingesparte Geld soll laut Nauert nun in anderen Bereichen der Außenpolitik ausgegeben werden. Humanitäre Hilfe sei von der Sparmaßnahme nicht betroffen.

Nauert verwies auf die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einer gerechteren Lastenverteilung zwischen den Verbündeten. Die Auszahlung des Geldes sei auch gestoppt worden, weil die USA sich bereits militärisch und finanziell in Syrien engagierten. Eine Abkehr von den strategischen Zielen der USA in Syrien gehe damit nicht einher, betonte Nauert. Trump habe deutlich gemacht, dass die USA bereit seien, bis zu einem endgültigen Sieg über die IS-Miliz in Syrien zu bleiben.