Der türkische Amnesty-Chef Taner Kılıç soll aus der türkischen Untersuchungshaft entlassen werden. Das ordnete ein Gericht in Istanbul an, wie Amnesty International mitteilte. Man hoffe nun, dass der Anwalt in den kommenden Stunden tatsächlich das Gefängnis in Izmir verlassen könne, hieß es. Kılıç wäre dann ein Jahr lang inhaftiert gewesen.

Der Chef der türkischen Amnesty-Sektion war am 6. Juni 2017 unter dem Vorwurf festgenommen worden, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören, die für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Amnesty fordert seit Langem die Freilassung von Kılıç. Erst am 21. Juni hatte ein Gericht entschieden, ihn weiter in Untersuchungshaft zu behalten. Die nächste reguläre Anhörung war erst für den 7. November angesetzt.

Amnestys Generalsekretär Kumi Naidoo zeigte sich nach der Gerichtsentscheidung "überwältigt von Freude", betonte aber, dass man erst feiern werde, wenn Kılıç tatsächlich zurück bei seiner Frau und seinen Kindern sei. Amnesty hatte immer wieder kritisiert, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass Kılıç den Messengerdienst ByLock auf seinem Handy hatte, den Gülen-Anhänger zur Kommunikation benutzt haben sollen.

Gegen Kılıç und zehn weitere Menschenrechtler läuft in Istanbul ein Verfahren wegen Terrorvorwürfen. Unter den Angeklagten sind auch der Deutsche Peter Steudtner und sein schwedischer Kollege Ali Gharavi. Zum Prozessauftakt am 25. Oktober hatte das Gericht alle Angeklagten bis auf Kılıç aus der U-Haft entlassen. Steudtner und Gharavi reisten daraufhin aus und nehmen nicht mehr an der Fortsetzung des Verfahrens teil.

Den insgesamt elf Menschenrechtlern wird "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation" beziehungsweise Terrorunterstützung vorgeworfen, worauf bis zu 15 Jahre Haft stehen. Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt.