Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ein weiteres Politikfeld ihrer Vorgänger rückgängig gemacht: Das gestiegene Angebot an Erdgas und Schieferöl wirke sich auf die Notwendigkeit zum Energiesparen aus, heißt es in einem veröffentlichten Memo. Da das Angebot an Erdgas und anderen Erdöl-Alternativen gestiegen sei, müssten die USA weniger Öl importieren, schrieb das Energieministerium. Die vor etwa einem Jahrzehnt begonnene Förderung von Schieferöl gebe "den Vereinigten Staaten mehr Flexibilität als in der Vergangenheit, unsere Ölreserven mit weniger Bedenken zu verwenden", heißt es weiter. Energie solle allerdings vernünftig verbraucht werden.

Autos sollen ab 2020 nicht mehr effizienter werden

Das Memo soll eine argumentative Stütze für den Regierungsvorschlag sein, ab 2020 keine steigende Kraftstoffeffizienz von Fahrzeugen mehr zu verlangen. Laut der Regierung würde dieser Plan den Ölverbrauch der USA um 80 Millionen Liter (500.000 Barrel) anheben. Die Regierung argumentiert, dies verbessere die Sicherheit auf den Straßen. Hochrangige Mitarbeiter der US-Umweltagentur veröffentlichten allerdings Dokumente, die belegen, dass es durch die großmotorigen Wagen im Gegenteil mehr Verkehrstote geben wird.

Der Klimawandel wird in dem Memo nicht erwähnt. Vom Verkehr stammen die meisten klimaschädlichen Emissionen.

Die Erklärung traf auf Unverständnis und Widerspruch. Sie könnte jahrzehntelange Kampagnen der bisherigen US-Regierungen für sparsame Autos und andere Umweltschutzprogramme untergraben. "US-Firmen, Verbraucher und unsere Umwelt verlieren durch diesen Plan", sagt Tom Carper, demokratischer Senator aus Delaware. "Nur die Ölindustrie gewinnt. Es ist nicht schwer zu sehen, auf wessen Seite Trump steht."

Analyst Tom Kloza vom Oil Price Information Service kommentierte: "Es ist, als wenn man sagt: 'Ich bin ein großer, alter, fetter Typ und die Lebensmittelpreise sind gefallen – es ist an der Zeit, wieder mit dem Essen zu beginnen."' Wenn man glaube, dass fossile Brennstoffe der Atmosphäre schadeten, habe man allerdings eine andere Sichtweise. Eine verschwenderische Lebensweise habe Nachteile.

Die US-Wirtschaft hänge förmlich an den Ölförderanlagen und umgekehrt, sagt John Graham, Wissenschaftler an der Indiana University und ehemaliger Berater der Bush-Regierung. Dies habe großen Einfluss auf die US-Politik – nicht nur in den Bereichen Wirtschaft und Umwelt, sondern auch militärisch und geopolitisch. "Wir sind eher in der Lage, das führende Land der Erde zu spielen, wenn wir mehr Öl und Gas fördern", sagt Graham. "Und doch gibt es Gründe, warum wir unseren Energieverbrauch einschränken sollten."

Neben Russland sind die USA das Land, das weltweit am meisten Öl fördert. Die Fördermenge war nie so hoch wie in diesem Sommer, wozu neue Techniken wie horizontales Drilling und Fracking beitragen.