Russland betreibt nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste eine "umfassende Kampagne" zur Beeinflussung der US-Kongresswahlen im Herbst. Mit diesem "Informationskrieg" werde von russischer Seite versucht, die USA "zu schwächen und spalten", sagte der Nationale Geheimdienstdirektor Dan Coats auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Doch die Bedrohung sei nicht nur auf Wahlkampfzeiten beschränkt. "Unsere Feinde versuchen ständig, unser Land zu destabilisieren – egal ob Wahlkampf ist oder nicht."

Russland versuche außerdem, Informationen von Kandidaten und Regierungsbeamten zu stehlen, teilte Coats mit. Auf die Frage von Journalisten, ob Demokraten oder Republikaner von der Einflussnahme Russlands besonders profitierten, ging er nicht direkt ein. Laut Coats nutzt Russland aber jede Gelegenheit, um "unsere fundamentalen Werte" zu untergraben. Der US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen zufolge steht die "Demokratie der USA im Fadenkreuz".

Donald Trump kündigt besonderen Schutz der Wahlen an

US-Präsident Donald Trump kündigte "enorme Anstrengungen" zum Schutz der bevorstehenden Wahlen an. Trump habe alle staatlichen Institutionen angewiesen, einen korrekten Ablauf der Wahlen 2018 und 2020 zu gewährleisten, teilte der Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten mit, John Bolton. "Präsident Trump hat und wird keine Einmischung in Amerikas System der repräsentativen Regierung tolerieren." Damit reagierte er auf Kritik sowohl von Demokraten als auch von Republikanern, Trumps Regierung habe keine klare Strategie zum Schutz der nächsten Kongress- und Präsidentschaftswahlen.

Die US-Geheimdienste sehen es erwiesen an, dass Russland auch die Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 beeinflusst hat, um dem Republikaner Donald Trump zu helfen und der Demokratin Hillary Clinton zu schaden. Erst am Dienstag hatte Facebook mitgeteilt, wegen eines koordinierten Versuchs zur verdeckten Wahlbeeinflussung 32 Nutzerkonten gesperrt zu haben. Die Ermittlungen zu den Hintergründen seien noch in einer frühen Phase, daher könne das Unternehmen keine verantwortlichen Länder oder Gruppen nennen. Nach Angaben von Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos gibt es aber Hinweise auf Verbindungen zu im vorigen Jahr geschlossenen Konten der Internet Research Agency (IRA), die der russischen Regierung zugeordnet wird.