Sie wirken etwas verloren im riesigen Frank-Sinatra-Room, dem Veranstaltungsraum des Little-Italy-Restaurants am Rande des Örtchens Nassawadox. Rund 150 Menschen würden hier Platz finden, doch sitzen gerade einmal acht Männer und Frauen an den weißen Plastiktischen, die Restaurantchef Franco neben der Eingangstür platziert hat.

Es ist die Ortsgruppe der Republikanischen Partei in Northampton im US-Bundesstaat Virginia, die sich an diesem Augustabend versammelt hat – oder das, was von ihr übrig ist. "Mehr werden wir wohl nicht", sagt Rob Stubbs, Polizist und Vorsitzender des Ortsvereins, als er um kurz nach 19 Uhr von seiner Digitaluhr aufschaut. Dann wendet er sich an seinen Sitznachbarn. "Ralph, eröffnest du bitte mit einem Gebet?"

In Nassawadox, rund vier Autostunden von Washington entfernt auf einer Halbinsel im Atlantik, wird klar, wie zerrissen die Partei ist. Denn Donald Trumps rasanter Aufstieg vom Reality-TV-Star zum US-Präsidenten hat viele Gewissheiten der Grand Old Party (GOP) hinweggefegt.

So steht das Parteiestablishment im Kongress plötzlich in Schlüsselfragen der Wirtschafts- und Außenpolitik gegen den Präsidenten. Gleichzeitig  steht die republikanische Basis trotz allem loyal zu Donald Trump. In Umfragen unterstützen fast 90 Prozent der GOP-Anhänger den Präsidenten – eine Zahl, an die zuletzt nur George W. Bush direkt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 herankam. Das macht es langgedienten Kongressmitgliedern schwer, ihren eigentlichen Überzeugungen zu folgen. Zu groß ist die Angst, von den Mitgliedern für die nächste Wahl nicht mehr aufgestellt zu werden.

"Trump liebt dieses Land"

Für Außenstehende wird es immer schwieriger, zu erkennen, was die GOP eigentlich sein will. Ist sie immer noch die alte Partei des freien Marktes und christlicher Werte? Oder doch eine populistische Bewegung, die sich nur an Trumps Wort und den niedrigsten Instinkten ihrer radikalsten Mitglieder orientieren muss?

"Die Partei hat sich sehr verändert", sagt Dona Danziger. Sie sitzt in ihrem Fliesengeschäft in Onancock, nur wenige Kilometer von der Countygrenze zu Northampton entfernt. Die politische Landkarte hier ist tiefrot. Wer vom Nachbarstaat Maryland auf die Halbinsel fährt, den begrüßt eine riesige Konföderiertenflagge, versehen mit dem Slogan: "The South Starts Here". Bei der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren verlor Trump zwar den Bundesstaat Virginia an seine Konkurrentin Hillary Clinton. Die Region um Danzigers Wohnort herum gewann er jedoch mit mehr als zwölf Prozentpunkten Vorsprung. Auch sie hat dem Präsidenten ihre Stimme gegeben – aus vollster Überzeugung.

Danziger kennt die GOP gut. Seit fast 50 Jahren unterstützt sie die Partei. Ihre ersten Freiwilligendienste schob sie noch für Richard Nixon. Sie telefonierte potenzielle Wähler in ihrem Heimatstaat New Jersey ab, um für die Wiederwahl des Präsidenten zu werben. Damals war sie noch an der Highschool. Später zog sie nach Virginia; überzeugte Republikanerin ist sie geblieben.

Ein böses Wort über Trump? Für Danziger undenkbar. "Der Präsident gibt Menschen eine Stimme, die vorher keine hatten", sagt sie. Er sage, was er denke – und er sei ein glühender Patriot. "Ich habe nie einen Zweifel daran gehabt, dass er dieses Land liebt."