Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat das Gesprächsangebot von US-Präsident Donald Trump als "PR-Stunt" kritisiert. Statt Gespräche anzubieten, sollten die USA lieber das iranische Volk und ihre internationalen Verpflichtungen respektieren, sagte Sarif.

Der Iran habe mit den USA und den anderen UN-Vetomächten sowie Deutschland zwei Jahre lang Gespräche geführt, twitterte Sarif. Das Ergebnis sei das internationale Atomabkommen von 2015 gewesen, "ein einzigartiges multilaterales Abkommen", das gut funktioniert habe. Die USA seien allein verantwortlich dafür, dass sie "den Tisch verlassen haben", schrieb Sarif.

Trump hatte das Atomabkommen mit dem Iran, das unter seinem Vorgänger Barack Obama verhandelt und unterzeichnet worden war, mehrfach als "schlechtesten Deal" kritisiert. Im Mai kündigte er an, die USA würden aus dem Abkommen aussteigen. Damals sagte er auch, er wolle ein neues Abkommen verhandeln. Zugleich würden die Sanktionen gegen Iran wieder verschärft.

Am Montag dieser Woche sagte Trump auf einer Pressekonferenz in Washington, er sei "jederzeit" und "ohne Vorbedingungen" zu einem Treffen mit Irans Präsident Hassan Ruhani bereit. Tags darauf sagte er bei einer Veranstaltung in Tampa: "Ich habe das Gefühl, dass sie ziemlich bald mit uns sprechen werden." Zugleich erneuerte Trump seine Kritik am Atomabkommen.

Im Iran wurde das Gesprächsangebot jedoch kritisch und teils mit offener Feindseligkeit angenommen: Hatte zunächst der Berater des iranischen Präsidenten Ruhani gesagt, unter Bedingungen könnte man "aus dem jetzigen Dilemma" herauskommen, bezeichnete Ajatollah Said Ali Chamenei, das geistliche Oberhaupt des Irans, die Gespräche mit den USA später als nutzlos. Der Rückzug aus dem Abkommen habe gezeigt, dass die US-Regierung nicht verlässlich sei, sagte Chamenei. 

Der Iran ist "nicht Nordkorea"

Auch Ruhani reagierte bislang nicht auf Trumps Gesprächsangebot. Führende Politiker des Irans sprachen sich aber ebenfalls gegen Verhandlungen aus, da die USA nicht vertrauenswürdig seien. Auch der Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammed Ali Dschafari, schrieb in einem in den Medien veröffentlichten Brief, "das iranische Volk wird Regierungsvertretern nicht erlauben, den großen Satan zu treffen". Der Iran sei "nicht Nordkorea", schrieb Dschafari unter Anspielung auf das umstrittene Treffen Trumps mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im Juni.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte, Trump verfolge beim Iran das gleiche Vorgehen wie gegenüber Nordkorea. "Er attackiert, er ergreift harte Maßnahmen und anschließend schlägt er Gespräche vor", sagte Le Drian dem Rundfunksender France Info. Allerdings habe dieses Vorgehen bei Nordkorea bisher nicht die erwünschten Folgen gehabt.

Sanktionen treten in Kraft

Die USA und der Iran hatten nach der islamischen Revolution 1979 ihre Beziehungen abgebrochen. Mit den Atomverhandlungen hatte sich aufseiten der moderaten Kräfte im Iran die Hoffnung verbunden, dass damit auch das Verhältnis zu den USA normalisiert werden könnte, doch haben sich die Beziehungen nach Trumps Amtsantritt wieder massiv verschlechtert.

Trump will den Iran zusätzlich zu einer Beschränkung seines Raketenprogramms und zu einer Abkehr von seiner aggressiven Regionalpolitik zwingen. Sanktionen im Finanz- und Handelssektor werden teilweise am kommenden Montag in Kraft treten. Im Iran brach daher in den vergangenen Tagen die Währung massiv ein. Seit Jahresbeginn hat die Währung damit zwei Drittel ihres Werts verloren.