US-Präsident Donald Trump hat dem öffentlichen Druck nachgegeben und den verstorbenen Senator John McCain nun doch noch offiziell gewürdigt. Trotz politischer Differenzen respektiere er McCain für seinen "Dienst für unser Land", schrieb Trump in einer Mitteilung. Zudem ordnete er an, die US-Flaggen an Regierungsgebäuden bis zur Beerdigung seines parteiinternen Rivalen an diesem Sonntag auf halbmast zu setzen.

Die Flaggen am Weißen Haus waren nach der Nachricht vom Tod McCains am Samstag auf halbmast gesetzt worden. Am Montag wehten sie aber wieder an der Spitze der Fahnenstange, was von der Öffentlichkeit kritisiert wurde.

Nach dem Tod des 81-Jährigen schrieb der Präsident zwar auf Twitter, den Angehörigen gelte sein Respekt und tiefstes Mitgefühl. Eine offizielle Würdigung wollte er einem Bericht der Washington Post zufolge aber nicht veröffentlichen. Später verpasste Trump mehrere Möglichkeiten, sich öffentlich zum Leben und Wirken des Senators zu äußern.

McCain galt als vehementer Kritiker Trumps. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

Trump lässt sich bei Gedenkfeiern vertreten

Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin ab. Zudem ließ er verbreiten, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich laut Medienberichten, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden.

Trump habe nun Vizepräsident Mike Pence gebeten, am Freitag auf einer Zeremonie zu Ehren McCains auf dem Capitol Hill zu sprechen, schrieb Trump in seiner Erklärung weiter. Zudem sollen Stabschef John Kelly, Außenminister James Mattis und Sicherheitsberater John Bolton seine Regierung bei Gedenkfeierlichkeiten vertreten.

McCain wendet sich ein letztes Mal an die Amerikaner

In einer posthum veröffentlichten Abschiedsbotschaft forderte McCain derweil die Amerikaner dazu auf, die Gräben in der Gesellschaft zu überwinden. "Wir schwächen unsere Größe, wenn wir unseren Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln … Wir schwächen ihn, wenn wir uns hinter Mauern verstecken, statt sie niederzureißen, wenn wir an der Macht unserer Ideale zweifeln, anstatt darauf zu vertrauen, dass sie die große Kraft für Veränderungen sind, die sie immer waren."

McCain war am Samstag verstorben. Er litt an einem Gehirntumor. Als Pilot der US-Navy war er in Vietnam in Gefangenschaft geraten und von den Vietkong gefoltert worden. Der Senator zählte später als Fachmann in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu den prominentesten Mitgliedern des US-Kongresses. Er erwarb sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung.