Die Bundesregierung will deutlich mehr Geld für das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA) bereitstellen. Die USA hatten ihre Finanzhilfen zuvor stark gekürzt, Deutschland ist bestrebt, das auszugleichen. Dafür bereite die Bundesrepublik derzeit Unterstützung "in substanzieller Höhe" vor, teilte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in einem Schreiben an seine EU-Kollegen mit.

Maas bezeichnete das UN-Hilfswerk vor allem für den Gazastreifen als "Schlüsselfaktor für Stabilität", dessen Ausfall "eine nicht kontrollierbare Kettenreaktion auslösen" könne. Deshalb appellierte er an seine Amtskollegen, ebenfalls mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Nur durch weitere Anstrengungen in der EU könne das aktuelle Defizit von 217 Millionen US-Dollar ausgeglichen werden, schrieb Maas weiter.

Nach Angaben von Maas hat Deutschland dem UNRWA in diesem Jahr bereits 81 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Wie viel zusätzliches Geld nun genau mobilisiert wird, ließ der SPD-Politiker jedoch vorerst offen. Bisher finanzierten die USA rund 30 Prozent des 1,1 Milliarden Dollar teuren Programms. Im Januar hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump ihre Zahlungen an die Organisation jedoch deutlich gekürzt. In diesem Jahr soll sie nur 60 Millionen Dollar erhalten – im Vorjahr waren es noch 360 Millionen Dollar gewesen.

Das UN-Hilfswerk unterstützt etwa fünf Millionen registrierte Palästina-Flüchtlinge, deren Vorfahren im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels 1948 geflohen sind. Laut UNRWA wurden damals rund 750.000 Palästinenserinnen und Palästinenser vertrieben. Mit den Finanzhilfen unterhält das UNRWA Einrichtungen in Jordanien, Syrien, Libanon, dem Gazastreifen und dem Westjordanland.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Zahl der 1948 vertriebenen Palästinenser habe fünf Millionen betragen. Wir haben den Fehler korrigiert.