Die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet ist zur Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen gewählt worden. Die Entscheidung erfolgte im Konsens der Versammlung von 193 Staaten.

Dass Menschenrechte der 66-Jährigen ein wichtiges Anliegen sind, bezweifelt niemand: In ihrem Heimatland war Bachelet während der Diktatur von Augusto Pinochet inhaftiert und gefoltert worden. Der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth sagte, "da sie selbst Opfer war, bringt sie eine einzigartige Perspektive mit".

Bachelet folgt auf den Jordanier Seid Raad al-Hussein. Dieser strebte keine zweite Amtszeit an, nachdem er die Unterstützung einflussreicher Länder verloren hatte. Al-Hussein hatte sich unter anderem als scharfer Kritiker des US-Präsidenten Donald Trump profiliert.

Gleichgeschlechtliche Ehe durchgesetzt

1975 wurde sie als Mitglied der Sozialistischen Jugend zusammen mit ihrer Mutter im Foltergefängnis Villa Grimaldi in Santiago de Chile inhaftiert. Bachelets Vater, ein Luftwaffengeneral, wurde bereits 1973 verhaftet und starb wenig später unter Folter. Nach ihrer Freilassung gelang Bachelet die Flucht über Australien in die DDR, wo sie ihr Medizinstudium fortsetzte. 1979 kehrte sie mit ihrem einjährigen Sohn nach Santiago zurück und wurde Kinderärztin, durfte diesen Beruf aus politischen Gründen aber nicht ausüben. Als Mitarbeiterin einer Nichtregierungsorganisation kümmerte sich Bachelet um Kinder von Opfern der Pinochet-Diktatur.

Nach dem Ende der Militärjunta wandte Bachelet sich in den Neunzigerjahren verstärkt der Politik zu und arbeitete im Gesundheitsministerium. 2002 kam sie an die Spitze des Verteidigungsministeriums – als erste Frau in Lateinamerika. Als Bachelet 2006 dann auch die erste Frau in Chiles Präsidentenamt wurde, war das in dem lateinamerikanischen Land eine Sensation. Als Sozialistin, Tochter eines Vertrauten des ehemaligen Präsidenten Salvador Allende, alleinerziehende Mutter und Atheistin galt sie im konservativ-katholischen Chile als unkonventionell.

Sie setzte in ihren beiden Amtszeiten von 2006 bis 2010 und von 2014 bis 2018 gesellschaftliche Reformen durch: So wurde etwa die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt; Schwangerschaftsabbrüche wurden in einigen Fällen legalisiert. Zwischen ihren beiden Amtszeiten war sie Leiterin von UN Women.