Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erneut festgenommen worden. Polizisten führten den Kremlkritiker nach Angaben seiner Sprecherin ab, als er das Moskauer Gefängnis an diesem Morgen verließ, in dem er eine 30-tägige Haftstrafe abgesessen hatte. Er wurde demnach auf ein Polizeirevier im Zentrum Moskaus gebracht.

Nawalny gilt als wichtigster Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin und wurde seit Mitte Juni bereits zweimal festgenommen. Ende August hatte ihn ein Moskauer Gericht verurteilt, weil er wiederholt zu nicht genehmigten Demonstrationen aufgerufen habe. Nawalny bestritt das nicht, machte aber geltend, dass die Behörden seine Anträge für Kundgebungen grundsätzlich ablehnten. Seine Festnahmen und Verurteilungen wertet er als politisch motivierten Einschüchterungsversuch.

Der Oppositionspolitiker hatte in den vergangenen Monaten mehrfach zu Protesten gegen die unpopuläre Rentenreform der Regierung aufgerufen. Die russische Regierung steht derzeit wegen des Unmuts in der Bevölkerung über die Reform unter Druck. Erst am Samstag waren in Moskau erneut 3.000 Menschen aus Protest auf die Straße gegangen.

Die am ersten Tag der Fußballweltmeisterschaft von Ministerpräsident Dmitri Medwedew verkündeten Rentenpläne sahen ursprünglich vor, das Renteneintrittsalter bei Frauen schrittweise von 55 auf 63 Jahre und bei Männern von 60 auf 65 Jahre anzuheben. Es ist die erste Anhebung seit fast 90 Jahren. Sie dürfte dazu führen, dass viele russische Männer kaum mehr den Renteneintritt erleben – sie werden im Durchschnitt nur 65 Jahre alt.

Nach anhaltenden Protesten und einem massiven Umfrageeinbruch für Präsident Wladimir Putin milderte der Staatschef die Pläne leicht ab: Für Frauen soll das Renteneintrittsalter nun um fünf statt acht Jahre angehoben werden.