Die Ankündigungen klingen nicht schlecht und sie kamen durchaus überraschend: Man wolle seine große Raketenanlage weiter abbauen, ließ Nordkoreas Diktator Kim Jong Un in der gemeinsamen Gipfelerklärung mit Südkoreas Präsident Moon Jae In verkünden, und dies auch von Experten beobachten lassen. Zusätzlich wolle man auch die Nuklearanlage Nyŏngbyŏn dauerhaft zurückbauen – das jedoch nur mit Gegenleistungen aus den USA. Damit ist so etwas wie diplomatische Bewegung in die Dauerkrise auf der Koreanischen Halbinsel gekommen. Schaut man sich die Ansagen genauer an, kommen aber ein paar Zweifel an ihrem Gehalt auf.

Sicher ist, dass Südkoreas Präsident Moon Jae In unter dem Druck der Amerikaner stand, etwas Brauchbares aus Pjöngjang mitzubringen. Er ist in dem diplomatischen Prozess so etwas wie ein Vermittler und der Dialog zwischen den Regierungen Nordkoreas und der USA ist momentan festgefahren. Über drei Tage hatten sich beide in der nordkoreanischen Hauptstadt getroffen. US-Präsident Donald Trump will wegen der im November anstehenden Kongresswahlen gut dastehen und eine Lösung der Atomkrise mit Nordkorea präsentieren, die er früh auf seine Agenda geschrieben hatte.

Moon Jae In ist dabei nicht zu beneiden, er muss mit extrem agierenden Figuren verhandeln. Auf der einen Seite mit dem kalt kalkulierenden Familienregime in Nordkorea, das die vergangenen Jahrzehnte genutzt hat, Technik für Atomwaffen und Raketen zu kaufen und zu entwickeln. Auf der anderen Seite mit Donald Trump, dessen Taktik es war, mit wüsten Drohungen und viel Getöse eine Kulisse gegen Nordkorea aufzubauen, um dann in einem persönlichen Treffen mit dem Kontrahenten den jovial-generösen Starken zu geben.

Zusammenstöße verhindern

Tatsächlich hat Moon bei diesem Gipfel etwas Wertvolles erreicht, das angesichts der Atomproblematik aber untergegangen ist: Er sorgt für Entspannung an der waffenstarrenden, hochmilitarisierten Grenze mit dem Norden. Nirgendwo auf der Welt stehen sich so viele Soldaten auf engstem Raum gegenüber wie um die Waffenstillstandslinie. Die innerkoreanische Grenze hat zudem den stärksten und bedrohlichsten Minenteppich der Welt.

Kim und Moon haben nun vereinbart, Waffen von der Grenze zurückzuziehen, Landminen zu entfernen und Puffer- und Flugverbotszonen einzurichten, um unbeabsichtigte Zusammenstöße zu verhindern. "Der Süden und der Norden haben heute zugestimmt, in allen Gebieten der koreanischen Halbinsel jede Bedrohung zu beseitigen, die einen Krieg auslösen kann", sagte Moon dazu am Mittwoch in Pjöngjang. Das sind Sicherheitsmaßnahmen, die nicht schwer umzusetzen sind und vor allem die Menschen in Südkorea etwas beruhigen dürften.

Hinsichtlich der Atomwaffenproblematik bleiben aber zentrale Fragen offen. Was Kim Jong Un auf jeden Fall nicht in Aussicht gestellt hat, ist die einseitige Aufgabe seines Atomwaffenarsenals und ballistischer Raketen – die zentrale Forderung der Trump-Regierung. Allerdings trifft Moon Jae In am Montag in New York den US-Präsidenten und man kann davon ausgehen, dass er dort von seiner Begegnung mit Kim Jong Un weitere konkrete Ergebnisse mitbringt, die noch nicht veröffentlicht wurden.

Die einzige konkrete Abrüstungsmaßnahme, die in Pjöngjang vereinbart wurde, ist die weitere Demontage der Testanlage für Raketenantriebe in Sohae an der Westküste, auch bekannt unter dem Namen Dongchang Ri. Der Abbau der Startrampe solle laut den Nordkoreanern unter Aufsicht von "Experten betreffender Länder" geschehen. Was genau das für Experten sein werden und was sie zu sehen bekommen sollen, ist offen. Und vor allem könnte Nordkoreas Militär ballistische Raketen auch von mobilen Rampen aus testen, wie die US-amerikanische Rüstungs- und Nordkorea-Expertin Melissa Hanham vom James-Martin-Zentrum für Abrüstungsstudien anmerkt. Bekannt ist, dass Nordkorea bereits Mittelstreckenraketen bis zu 3.000 Kilometern Reichweite mobil abzufeuern in der Lage ist. Satellitenbilder haben zudem gezeigt: Die Demontage von Dongchang Ri läuft seit Längerem, weshalb Experten vermuten, dass der Standort sowieso nicht mehr wichtig ist.