Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat verteidigt, dass die Bundesregierung den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu einem Staatsbesuch nach Deutschland eingeladen hat.  Zuvor hatten Politiker der Linkspartei, der Grünen und der AfD Kritik am geplanten Staatsbesuch Erdoğans geäußert. Der Deutschen Presse-Agentur sagte Maas, dass es  zwar Teil der "demokratischen Realitäten" in Deutschland sei, dass der Besuch von Präsident Erdoğan öffentlich kritisiert werde. "Die Konsequenz daraus kann aber nicht sein, dass Herr Erdoğan nicht mehr nach Deutschland kommen kann. Im Gegenteil: Es gibt sehr viele Dinge, die wir miteinander zu besprechen haben."

Erdoğan wird am 28. und 29. September zu seinem ersten Staatsbesuch in Berlin erwartet. Dazu gehören ein Empfang mit militärischen Ehren, ein Staatsbankett bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vor dem Brandenburger Tor ist eine Großdemonstration gegen seine Politik geplant. Nach seinem Aufenthalt in Berlin will Erdoğan nach Köln weiterreisen. Derzeit ist noch unklar, ob er dort wie bei früheren Besuchen eine Rede vor großem Publikum halten wird. Außenminister Maas sagte dazu: "Wir sind in der Vorbereitung des Besuchs in enger Abstimmung mit der Türkei. Die türkische Seite kennt unsere Erwartung, dass es keine Signale gibt, die dem Normalisierungsprozess entgegenlaufen."

Vor etwa einer Woche war Maas selbst zu seinem Antrittsbesuch in die Türkei gereist. Es war der Auftakt von einer Reihe von gegenseitigen Reisen von Regierungsmitgliedern aus der Türkei und Deutschland. Sowohl die Regierung der Türkei als auch die Bundesregierung wollen eine Normalisierung der Beziehungen beider Länder erreichen.

Diese sind seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren angespannt. Zur Verschlechterung der Beziehungen hat auch die Verhaftung von mehr als 30 deutschen Staatsbürgern beigetragen. Nach wie vor sind sieben Deutsche und Zehntausende Türken aus politischen Gründen in dem Land inhaftiert, darunter viele Journalistinnen und Journalisten und Intellektuelle.