Außenminister Heiko Maas hat den USA mangelnde Abstimmung mit Deutschland in internationalen Fragen vorgeworfen. "Wir erfahren von einigen Entscheidungen über Twitter", sagte der SPD-Politiker in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Manchmal habe ich den Eindruck, auch der eine oder andere in den Vereinigten Staaten erfährt von Entscheidungen im Weißen Haus zuerst über Twitter. Das verändert die Zusammenarbeit."

US-Präsident Donald Trump hat seine Verbündeten schon häufig mit Twitter-Nachrichten überrascht. So ließ er zum Beispiel die Abschlusserklärung des G7-Gipfels in Kanada im Frühjahr mit einer knappen Mitteilung über den Kurznachrichtendienst platzen.

Früher habe es in allen wesentlichen Fragen intensive Konsultationen mit den USA gegeben, sagte Maas. "Man hat sich eng abgestimmt auf allen Ebenen. Das gibt es jetzt immer weniger." Die Bundesregierung wünsche sich wieder mehr Dialog und mehr Abstimmung.

Der Außenminister reist am Montag nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen, zu dem rund 130 Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Er wird dort möglicherweise auch seinen US-Kollegen Mike Pompeo treffen. Seit seinem Debüt bei den Vereinten Nationen vor einem Jahr hat US-Präsident Donald Trump unter anderem das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt, den UN-Menschenrechtsrat verlassen und einige der engsten Verbündeten der USA mit scharfer Kritik überzogen.

Multilateralismus stärken

"Es ist nicht so, dass Multilateralismus nicht funktionieren könnte", stimmte die US-Botschafterin bei den UN, Nikki Haley, das Publikum auf Trumps Rede am Dienstag ein, dem ersten Tag der Generaldebatte. "Aber die nationale Souveränität hat Vorrang gegenüber all dem." Deutschland dagegen hat es sich zur Aufgabe gemacht, während seiner Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat in den kommenden beiden Jahren gerade den Multilateralismus wieder zu stärken.

In der Woche darauf will Maas am Tag der Deutschen Einheit in Washington ein Deutschlandjahr in den USA mit mehr als 1.000 Veranstaltungen eröffnen. Es soll dazu dienen, die Verbindungen zu den USA jenseits der Regierungspolitik zu stärken.

Maas hatte vor diesem Hintergrund im August eine neue Transatlantik-Strategie skizziert. Danach soll Deutschland "ein Gegengewicht bilden, wo rote Linien überschritten werden". Der Außenminister plädiert für eine selbstbewusstere Haltung der EU gegenüber den USA. "Wir Europäer dürfen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen und warten, was am nächsten Tag getweetet wird." Das Ziel müsse sein, die transatlantische Partnerschaft auf die Gegebenheiten des Jahres 2018 einzustellen, sie neu zu justieren, aber sie vor allen Dingen zukunftsfest zu machen.

"Viele denken, sie könnten Trump aussitzen, und nach ihm werde alles wieder so sein wie es war. Das halte ich für eine Fehleinschätzung", sagte Maas. "Es gibt strukturelle Veränderungen in den transatlantischen Beziehungen, die werden auch nach Trump nicht verschwinden. Darauf müssen wir uns in Deutschland, aber vor allem in Europa strategisch einstellen."