Mitarbeiter des US-Präsidenten Donald Trump sollen Papiere von seinem Schreibtisch gestohlen und versteckt haben, um ihn von impulsiven Handlungen abzuhalten, wie etwa dem Rückzug aus einem wichtigen Handelsabkommen mit Südkorea. Trumps inzwischen zurückgetretener Wirtschaftsberater Gary Cohn soll dies nach Angaben eines Mitarbeiters mit den Worten begründet haben: "Ich muss das Land beschützen." Auch Trumps früherer Stabssekretär Rob Porter soll mehrmals Papiere versteckt haben. Das berichtet der renommierte Investigativjournalist Bob Woodward in seinem neuen Buch Fear: Trump in the White House. Das Buch liegt der Washington Post und dem Sender CNN vor.

Trump reagierte in einem Gespräch mit der konservativen Nachrichtenwebsite Daily Caller herablassend. Das Buch sei "schäbiges Zeug", sagte er. Dem Journalisten Woodward warf er zudem vor, Glaubwürdigkeitsprobleme zu haben. "Niemand hat irgendwas von mir genommen", ging er auf die Behauptungen in dem Werk ein.

In einem Tweet in der Nacht zu Mittwoch bezeichnete er das Buch sogar als "Bertrug an der Öffentlichkeit". Die Zitate von Verteidigungsminister James Mattis und Stabschef John Kelly seien erfundene Betrügereien. Auch andere Geschichten seien erfunden. Trump fügte zudem als Frage hinzu: "Woodward ist ein Agent der Demokraten? Die Zeitwahl bemerkt?"

Auch das Weiße Haus distanzierte sich von dem Buch. Die Sprecherin Sarah Sanders sagte: "Dieses Buch ist nichts weiter als erfundene Geschichten, viele von verärgerten ehemaligen Angestellten erzählt, um den Präsidenten schlecht aussehen zu lassen." Sie warf der Presse vor, selten über Trumps "beispiellose Erfolge" zu berichten. Niemand werde ihn bei den Halbzeitwahlen 2020 schlagen können, das wüssten "Demokraten und ihre Verbündeten in den Medien".

Für das Buch sprach Woodward nach eigenen Angaben mit Dutzenden hochrangigen Amtsträgern und Ex-Amtsträgern aus dem Weißen Haus und nahm die Gespräche auf. Einige der interviewten Personen treten in seinem Buch namentlich auf, andere anonym. Zudem stützt sich der Journalist auf zahlreiche Dokumente, Tagebücher, Memos und auch eine handschriftliche Notiz von Trump. Mit Trump selbst sprach Woodward trotz mehrfacher Bemühungen nicht während der Entstehung. Erst als das Manuskript fertig war, meldete sich Trump bei Woodward und bezeichnete das Buch als "schlechtes Buch". Die Washington Post, für die Woodward arbeitet, veröffentlichte das Telefongespräch.

Trump sei "emotional überreizt"

John Kelly, der Stabschef des Weißen Hauses, soll dem Buch zufolge Trump vor Mitarbeitern als "Idioten" und "geistig gestört" bezeichnet haben. "Wir sind in Crazytown", soll Kelly während eines Mitarbeitertreffens gesagt haben. "Ich weiß nicht mal, warum wir überhaupt da sind. Das ist der schlimmste Job, den ich je hatte." Kelly wies die Zitate kurz nach Veröffentlichung als "nicht wahr" zurück. Außerdem wird der Verteidigungssekretär James Mattis zitiert. Er soll Trump den "Verstand eines Fünft- oder Sechstklässlers" attestiert haben. Trumps früherer Anwalt John Dowd nannte den Präsidenten Woodward zufolge einen "Lügner", der in einem "orangefarbenen Ganzkörperanzug" landen würde, sollte er vor Sonderermittler Robert Mueller aussagen müssen – eine Anspielung auf die Bekleidung von Gefängnisinsassen. Beide haben sich noch nicht dazu geäußert.

Insgesamt, schreibt Woodward den Medien zufolge, sei Trump "emotional überreizt, launisch und unberechenbar". Das Verhalten seines Personals sei ein "nervöser Zusammenbruch der Exekutive des mächtigsten Landes der Welt". Woodward zählt zu den bekanntesten Investigativjournalisten der USA. In den Siebzigerjahren hatte er den Watergate-Skandal aufgedeckt, der zum Rücktritt des Präsidenten Richard Nixon führte. Für seine Arbeit erhielt Woodward zwei Pulitzer-Preise.

Fear passt zu früheren Enthüllungsbüchern

Vor Fear sind bereits zahlreiche weitere Bücher erschienen, die von sich behaupten, Innenansichten aus dem Weißen Haus zu liefern und sich auf Interviews mit engsten Mitarbeitern Trumps zu stützen. Anfang des Jahres erschien beispielsweise der Bestseller Fire and Fury von Michael Wolff. Auch darin hieß es, Trumps Mitarbeiter würden ihn sabotieren, um das Land zu beschützen. "Ich denke, die meisten wollen einfach das Schlimmste verhindern", sagte Wolff im Interview mit der ZEIT. "Sie sind da, um diesen Typen irgendwie auf einem engen, klaren Pfad zu halten. Die Mitarbeiter versuchen, Trump zu kontrollieren, obwohl sie wissen, dass sie ihn nicht kontrollieren können." Weiterhin sprach Wolff Trump die geistigen Fähigkeiten zur Führung des Landes ab. "Wenn Sie mit einem Menschen sprechen, der sich immer und immer wieder wiederholt, dann ist das meiner Meinung nach alarmierend", sagte er. Fire and Fury steht wegen zahlreicher Ungenauigkeiten in Kritik.

Im April erschien dann eine Autobiografie des entlassenen FBI-Chefs James Comey, Größer als das Amt. Darin bezeichnet er Donald Trump als "verlogenen Schleimball", der wie ein "Mafiaboss" handle, "ohne Moral" und "ohne jede Bindung an die Wahrheit und die Werte unserer Demokratie". Zuletzt erschien im August Unhinged von Trumps Ex-Mitarbeiterin Omarosa Manigault-Newman. Darin bezeichnet sie den Präsidenten als Rassisten und Frauenhasser. Zudem veröffentlichte sie Tonaufnahmen ihrer Kündigung, die zeigen, wie Trumps Mitarbeiter um den Präsidenten herum arbeiten.