Es schien wie ein unwichtiger flüchtiger Moment. Sie solle sich melden, wenn sie etwas brauche, so der Vorsitzende des Senatsausschusses Chuck Grassley. "Vielleicht etwas Koffein?", fragt Christine Blasey Ford. Der kurze Austausch zeigte, wie viel sich geändert hat in den vergangenen 27 Jahren, seit jener Anhörung, an die auch heute viele denken. 

Es dauert nicht lange, bis der Name Anita Hill zum ersten Mal fällt, und es bleibt nicht das einzige Mal. Die Juraprofessorin hatte damals den Nominierten für den Supreme Court, Clarence Thomas, beschuldigt, ihr gegenüber mehrmals sexuell übergriffig geworden zu sein.

Wie jetzt Christine Blasey Ford war auch sie vor einen Ausschuss des Senats geladen worden. Doch die damalige Anhörung geriet zum Spektakel, das als ein Tiefpunkt in der Geschichte des Senats gilt: Hill, eine schwarze Frau, saß vor einem ausschließlich weißen und männlichen Ausschuss, der, so schien es, längst entschieden hatte, wer log und wer die Wahrheit sagte. In den Medien wurde Hill über Monate vorgeführt und angegriffen. Thomas selbst schadeten die Anschuldigungen nicht: Der konservative Hardliner sitzt noch heute auf der Richterbank des Supreme Courts.

Geprägt von #MeToo

Seit damals hat sich viel geändert im Land, und das macht es für die Republikaner kompliziert. Inzwischen sitzen auch Frauen im Ausschuss – auch wenn sie die Minderheit bleiben. Vor allem aber ist das Land, ein Jahr nach Beginn der #MeToo-Bewegung, in der Frauen mächtige Männer aus Hollywood und Washington öffentlich anklagten und zu Fall brachten, so sensibel wie wohl nie zuvor für ähnliche Vorwürfe.

Lange sah es so aus, als sei die Ernennung Brett Kavanaughs – trotz der Gegenwehr der Demokraten – eine Formsache. Mit ihm wollen sich die Republikaner eine konservative Mehrheit am wichtigsten Gericht des Landes sichern, vielleicht über Jahrzehnte. Doch seit vor zwei Wochen zum ersten Mal Vorwürfe sexueller Übergriffe öffentlich wurden, ist seine Nominierung in Gefahr. Drei Frauen werfen dem Juristen inzwischen vor, sie belästigt zu haben.

Fords Stimme bricht Sekunden, nachdem sie ihr Eröffnungsstatement vorliest, in dem sie auch die Ereignisse von damals noch einmal ins Gedächtnis ruft. Vor 36 Jahren soll Kavanaugh sie am Rande eines Treffens in einen Raum gedrängt und versucht haben, sie zu vergewaltigen. Sie wolle nicht hier sein, liest sie vor, und man sieht es ihr an.