USA - Christine Blasey Ford erhebt Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh Bei einer Anhörung vor dem Senat hat die Professorin gegen den Kandidaten für den Supreme Court ausgesagt. Hier hören Sie einen Ausschnitt ihres Statements im Originalton. © Foto: Andrew Harnik/Pool/Getty Images

Die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford hat vor dem Justizausschuss des US-Senats zu ihrer Anschuldigung der versuchten Vergewaltigung gegen den konservativen Richterkandidaten Brett Kavanaugh ausgesagt. In einem teils emotionalen Statement schilderte sie, was an einem Abend im Jahr 1982 geschehen sein soll: Nach einer Party, so Ford, die damals 15 Jahr alt war, sei sie mit mehreren gleichaltrigen Jungen zusammen gewesen. Sie hätten Bier getrunken. Unter ihnen Brett Kavanaugh, der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für einen Richterposten am obersten Gericht der Vereinigten Staaten. Man habe sie in ein Schlafzimmer geschoben, Kavanaugh habe sie aufs Bett gedrückt, versucht, sie auszuziehen und damit sexuell belästigt, sagte Ford. "Ich glaubte, er würde mich vergewaltigen", sagte sie. "Es war schwer für mich, zu atmen, und ich dachte, dass Brett mich versehentlich töten würde." Sie sei sich zu "100 Prozent" sicher, dass es Kavanaugh gewesen sei, sagte die 51-Jährige.

"Ich bin heute nicht hier, weil ich das will", sagte Ford. "Ich habe Angst. Ich bin hier, weil ich glaube, dass es meine Bürgerpflicht ist, Ihnen zu erzählen, was mir passiert ist, als Brett Kavanaugh und ich auf der Highschool waren."

Sie habe jahrelang nicht über dieses Erlebnis sprechen können, sagte sie weiter. Erst kurz vor ihrer Hochzeit habe sie sich ihrem Mann anvertraut. Wie Ford in ihrem Statement sagte, habe sie bei einem Umbau des Hauses auf einer zweiten Haustür bestanden. In der Diskussion über diesen ungewöhnlichen Wunsch hätte sie ihre Traumatisierung offenbart.

Ford fügte hinzu, am deutlichsten in Erinnerung sei ihr das Gelächter der beiden Freunde bei dem Vorfall gewesen: "das brüllende Gelächter der beiden, und dass sie auf meine Kosten Spaß hatten". Sie betonte mehrfach, sie verfolge keinerlei politische Absichten damit, die Vorwürfe öffentlich zu machen. Sie habe versucht, die Anschuldigungen dem Kongress zur Kenntnis zu bringen, als neben Kavanaugh noch weitere Kandidaten für den Posten ins Gespräch kamen.   

Der Ausschussvorsitzende Chuck Grassley entschuldigte sich zu Beginn der Sitzung bei Ford und Kavanaugh für das, was ihnen widerfahren sei, seit die Vorwürfe bekannt wurden. Ford, Kavanaugh und deren Familien werden nach eigenen Angaben bedroht.

Grassley kritisierte daraufhin die Demokraten. Er warf der stellvertretenden Ausschussvorsitzenden, der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein, vor, der republikanischen Seite einen Brief von Ford mit den Vorwürfen vorenthalten zu haben. Feinstein entgegnete wenig später, sie habe den Brief vertraulich behandelt, bis Ford bereit gewesen sei, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Nach Fords Eingangsstatement wurde die Wissenschaftlerin von einer auf Verfolgung sexueller Gewalttaten spezialisierten Staatsanwältin befragt. 

Kavanaugh spricht von "nationaler Schande"

Der Richterkandidat Kavanaugh wies die Missbrauchsvorwürfe vor dem Ausschuss erneut zurück. "Ich habe niemals jemanden sexuell belästigt, weder in der Highschool noch am College oder jemals später", sagte der sichtlich aufgebrachte Kavanaugh in einem in Teilen schon vorab verbreiteten Statement. Er sei das Opfer einer "kalkulierten und orchestrierten" politischen Kampagne, der Verlauf seines Nominierungsverfahrens sei eine "nationale Schande". "Meine Familie und mein Name sind durch diese bösartigen und falschen Anschuldigungen zerstört worden." Mehrere Male während des Vortrags schien Kavanaugh ein Schluchzen zu unterdrücken.

Kavanaugh bestritt, an einer Party, wie sie von Ford beschrieben wurde, teilgenommen zu haben. Auch seine Terminkalender aus dieser Zeit, die er dem Ausschuss vorgelegt habe, zeigten keinen Eintrag am entsprechenden Tag. Womöglich habe er Ford einmal getroffen, sie hätten jedoch nicht im gleichen Freundeskreis verkehrt und er könne sich nicht an sie erinnern, sagte er. Im Verlauf seiner Karriere habe das FBI mehrfach seine Vergangenheit überprüft, ohne jemals ähnliche Anschuldigungen zutage gefördert zu haben. Kavanaugh war unter anderem Rechtsberater der Regierung von George W. Bush.

Trinken bis zur Ohnmacht

Kavanaugh war Anfang der Achtzigerjahre an der Jesuitenschule Georgetown Preparatory für Jungen gewesen. Das bereitete ihm den Weg an die Universität Yale. Zugleich war das der Eintritt in ein elitäres Partynetzwerk. Jahrbücher aus dieser Zeit zeugen von einer ausgewiesenen Feierkultur. Die Jugendlichen hatten genug Geld und ihre eigenen Autos, um regelmäßig Ausflüge zum Strand zu machen, wo sie sich betranken. Am Wochenende wurde auch in Abwesenheit der Eltern auf den Anwesen in den Vororten Washingtons gefeiert.

Kavanaugh beschrieb sich in seinem Jahrbuch als "Schatzmeister" des "Fass-Stadt-Clubs" und fügte hinzu: "100 Fässer oder hops" – ein Verweis auf das Gelöbnis einiger seiner Klassenkameraden, bis zum Schulabschluss 100 Fässer Bier zu trinken. Sein Freund Mark Judge schrieb später ein Buch über seine Alkoholabhängigkeit, die ihren Ursprung in Georgetown Prep habe. Die Schülerin einer benachbarten Mädchenschule bezeichnete "Ohnmacht" ironisch als das beliebteste Trinkspiel.

Leichte Distanz von Trump

Bisher haben insgesamt drei Frauen Kavanaugh der sexuellen Belästigung beschuldigt. Kavanaugh habe sich Mädchen aggressiv aufgedrängt und "sich an ihnen gerieben", er habe versucht, sie gegen ihren Willen auszuziehen oder ihnen ihre T-Shirts hochzuziehen, beschrieb Julie Swetnick ihre Beobachtungen aus dieser Zeit. Eine weitere Frau, Deborah Ramirez, hatte sich im New Yorker mit dem Vorwurf gemeldet, Kavanaugh habe ihr während einer Studentenparty an der Eliteuniversität Yale in den Achtzigerjahren sein Geschlechtsteil ins Gesicht gedrückt.

Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Kavanaugh zu einem Streitthema zwischen den Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Am Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss darüber angesetzt, ob er als oberster Richter empfohlen wird. Danach muss der US-Senat über die seine Berufung an das höchste US-Gericht abstimmen. Die Vorwürfe von Ford und zwei weiteren Frauen gefährden Kavanaughs Berufung an den Supreme Court.

Trump hatte Kavanaugh am Mittwochabend nochmals verteidigt. Er bezeichnete die Vorwürfe als politisch motiviert. Trump schloss aber eine Abkehr von der Nominierung Kavanaughs nicht generell aus.