Am Ende war es wohl auch eine eindrückliche Begegnung im Fahrstuhl, die Senator Jeff Flake umstimmte und Brett Kavanaughs Aufstieg zum obersten Richter der USA doch noch einmal ausbremste. Ein kurzes Video, das schnell die Runde machte, zeigt den republikanischen Senator aus Arizona, wie er, in einen Fahrstuhl gedrängt, von mehreren Frauen zur Rede gestellt wird. Wenn er für Kavanaugh als Richter am Supreme Court stimme, "dann erzählen Sie mir, dass mein Schicksal nicht zählt", sagt eine der Frauen, offenbar selbst ein Opfer sexueller Gewalt, mit zitternder Stimme. "Sie sagen mir damit, dass Sie Leuten, die so etwas tun, zu Positionen der Macht verhelfen." Man sieht Flake an, wie unangenehm ihm die Situation ist: Der Senator schweigt und windet sich, er wartet darauf, dass sich die Aufzugtüren endlich schließen.

Dass dieses Videodokument in kurzer Zeit Millionen Menschen gesehen haben, blieb nicht ohne Wirkung: Nur wenige Stunden später sorgte Jeff Flake überraschend dafür, den Nominierungsprozess von Brett Kavanaugh hinauszuzögern. Zwar stimmte er mit seinen Parteikollegen im Justizausschuss dafür, die Ernennung des 53-jährigen Juristen zur Abstimmung vor den Senat zu bringen. Allerdings: Damit er dort für den Kandidaten aus den eigenen Reihen stimme, müsse das FBI die Gelegenheit bekommen, die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Kavanaugh zu untersuchen. Jeff Flakes Stimme hat Gewicht, denn die Konservativen können sich in den eigenen Reihen nur einen Abweichler leisten, sollten die Demokraten geschlossen gegen Kavanaugh stimmen.

Noch am Nachmittag stimmte die Parteiführung im Senat der Forderung zu, auch US-Präsident Donald Trump ist dafür. Eine FBI-Ermittlung solle allerdings auf eine Woche begrenzt sein und sich ausschließlich auf die Vorwürfe beziehen, die im Raum stünden.

Es ist ein Etappensieg für die Demokraten am Tag nach einer Anhörung, die Amerika gebannt und im Kern erschüttert hat. Mehr als 20 Millionen Menschen hatten am Donnerstag zugesehen, wie der Justizausschuss erst Christine Blasey Ford, dann Kavanaugh selbst stundenlang befragte und die Anhörung dabei in gegenseitige Vorwürfe mündete. Zum Vergleich: Die Oscar-Verleihung schauen sich knapp über 30 Millionen Menschen an. Viele verfolgten das Geschehen auf dem Smartphone in der U-Bahn oder im Büro, andere versammelten sich in Bars, selbst Schulen und Universitäten hatten eigens Räume eingerichtet, in denen Schülerinnen und Studenten zuschauen konnten. Auf Twitter waren Fotos von Inlandsflügen zu sehen, auf denen sämtliche Bildschirme die Anhörung zeigten. Nahezu alle großen US-Fernsehsender hatten die Sitzung in voller Länge übertragen.

Trotz des öffentlichen politischen Spektakels schienen die Anhörungen am Ende an den politischen Mehrheiten wenig geändert zu haben. Die Ernennung von Brett Kavanaugh, darüber waren sich die meisten politischen Beobachter einig, sei nur eine Frage der Zeit. "Wer sich einen konservativen Richter wünscht, der glaubte Kavanaugh auch nach der Anhörung. Wer sich einen liberalen Kandidaten wünscht, der hielt ihn weiterhin für einen Sexualstraftäter", sagt Ric Simmons, Rechtsexperte an der Ohio State University.